Germany

Deutsche in der Schweiz: “Ich habe die Schweiz satt”

Veröffentlicht am 29. Juni 2022, 17:25 Uhr

Fast 310.000 Deutsche lebten im vergangenen Jahr in der Schweiz. Nach einigen Jahren sind jedoch viele von der Schweizer Gesellschaft enttäuscht. Sechs Deutsche sprechen darüber, warum sie die Schweiz wieder verlassen wollen.

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Malerische Landschaften, Berge, Seen, hohe Lebensqualität und hohe Löhne locken viele Einwanderer in die Schweiz.

20 Minuten / Simon Glauser

Treffen mit guten Kollegen, auf Festivals gehen, schwimmen etc. – Viele deutsche Einwanderer tun dies bei den Schweizern nicht, wie unsere Leserschaft berichtet.

20 Minuten / Celia Nogler

Nach eigenen Angaben stoßen deutsche Einwanderer in der Schweiz auf viel Ablehnung. Ein Leser sagt, dass die Schweizer selten zum Apéro kommen. Sie hat keine Einladungen zur Rückkehr erhalten.

Landbote / Mark Dahinden

Die Deutschen sind mit rund 309.500 Menschen die größte Einwanderergruppe hierzulande. Hohe Löhne, schöne Landschaften, niedrige Steuern und eine hohe Lebensqualität ziehen viele Deutsche an. Doch in den letzten Jahren ist die Zahl der Zuwanderer zurückgegangen: 2010 zogen 30.700 Deutsche in die Schweiz, 2020 waren es nur noch 19.700.

In den letzten Jahren sind jährlich zwischen 12.000 und 15.000 Deutsche zurückgewandert. Sechs Deutsche sagen, sie kehren ein paar Jahre später der Schweiz den Rücken.

Gemeinsame Sprache, unterschiedliche Kulturen

„Ich will so schnell wie möglich zurück“, sagen GS*-Leser.2008 wurde er von Deutschland gefangen genommen und kam in den Kanton Luzern. Die Erwartung war groß. Später folgte ihm seine Frau. Als er an Krebs erkrankte, feuerte ihn sein Arbeitgeber. Später wurde seine Frau schwer krank und musste notoperiert werden. Aufgrund ihres Zustands ist eine Rückgabe derzeit nicht möglich. GS* ist nüchtern: Das Gesundheitssystem ist katastrophal und auch menschlich ist er frustriert.

Immer wieder fühlte er sich von den Schweizern abgelehnt. „Die Schweizer sind emotional kalt“, sagt GS*.Mehrmals grüßte er die Nachbarn auf der Treppe und versuchte, mit ihnen ins Gespräch zu kommen. Jedes Mal wurde er ignoriert. Kontakte hat er aufgegeben und hat jetzt überwiegend deutsche und ausländische Freunde.

Viele Leser berichten Ähnliches. Trotz längerem Aufenthalt in der Schweiz gelang es vielen Deutschen nicht, einen Freundeskreis mit den Schweizern zu schliessen. „Wir sprechen zwar dieselbe Sprache, sind aber nett zueinander“, sagt Leser TT*.

Die Integration ist schwierig, selbst mit einem Schweizer Partner

Viele Deutsche fühlten sich irritiert, diskriminiert und ausgegrenzt. Doch auch die fehlende Spontaneität ist für manche ein Problem: „Freunde trifft man nur bei einer lange geplanten Veranstaltung“, sagt die IL*-Leserin. Außerdem ist ihr das Leben in der Schweiz zu anonym. “Man meidet sich unter den Nachbarn.” Obwohl sie seit 22 Jahren in der Schweiz lebt und mit einem Schweizer verheiratet ist, würde sie gerne nach Deutschland zurückkehren.

Auch Leser SB* berichtet, dass sich die Situation mit dem Schweizer Partner und den Kindern nicht bessert. Sie lebte zuerst in St. Gallen, dann in Zürich. Sie kam für ihren Ex-Partner in die Schweiz. Sie ist jetzt seit 20 Jahren hier. In der Schweiz fühlt sie sich noch immer nicht wohl. Das liegt an Kommentaren wie „Oh, nein, ein Dütschi“ oder Vorurteilen gegenüber den Deutschen. Auch Bekannte und Nachbarn lud sie immer wieder zum Apéro ein, doch die wenigsten kamen. Es gab keine Gegeneinladungen.

Was fehlt besonders in der Schweiz? “Freiheit. Treffen wir uns auf einen Kaffee. Spontanität und Humor sind hier Fremdwörter. » Jetzt will sie zurück: “Ich würde alles dafür geben, in die Vergangenheit zu reisen, aber ich will die Familie nicht ruinieren.”

Unerwünschte Spontanbesuche

Nach 18 Jahren in der Schweiz steht der IS* kurz davor, die Schweiz zu verlassen. Aus menschlichen und wirtschaftlichen Gründen. «Ich habe die Schweiz satt», sagt IS*.Nach der Verletzung bekam sie keine IV-Unterstützung und kämpfte mit steigenden Preisen für Lebensmittel und Krankenkassen.

Einer, der die Schweiz nach 19 Jahren verlassen hat, ist AH*. Sie habe in verschiedenen Kantonen gelebt und «besonders beruflich eine gute Zeit gehabt». Aber ihr Freundeskreis bestand ausschließlich aus Ausländern. “Schweizer neigen dazu, vom Kindergarten bis ins Erwachsenenalter Kontakt zu halten und wollen niemand anderen in ihr Leben aufnehmen”, sagte sie.

Sie beschreibt die Schweizer als zurückhaltend. Zum Beispiel wollte sie einer Kollegin zum Geburtstag gratulieren, mit der sie viel unternahm. Als sie spontan mit einer Flasche Sekt und einem Blumenstrauß an ihr vorbeiging, wurde sie nicht hereingebeten. Stattdessen sagte ihre Kollegin zu ihr: „Heute feiere ich nur mit meiner Familie und engsten Freunden. Du kannst ein andermal kommen.“ Die Tür schlug vor seiner Nase zu.

* Name ist den Redakteuren bekannt