Marktbericht
Stand: 30.06.2022 12:37 Uhr
Rezessionsängste und Ängste vor anhaltender Inflation drängen Anleger aus dem Aktienmarkt. DAX findet keinen Boden, offenbar halten Anleger das Kursniveau noch für zu hoch.
Auf einen schwierigen Mittwoch folgte ein desaströser Donnerstag: Der DAX unterschritt zeitweise die Marke von 12.700 Punkten und verlor mehr als zwei Prozent. Aus technischer Sicht wären 12.500 Punkte der nächste Ansatzpunkt für ING-Experten. „Während der DAX auf Wochensicht mit 13.556 Punkten unter dem 200-Tage-Durchschnitt notiert, ist langfristig mit weiter fallenden Kursen zu rechnen. Diese Marke scheint derzeit schwer zu erreichen.
Gestern schloss der DAX trotz leicht rückläufiger Inflation nach einer dreitägigen Kurserholung um minus 1,7 Prozent auf 13.003 Punkte.
Schlechtes Halbjahresergebnis
Mit rund 20 Prozent Verlust weist der DAX derzeit eine sehr schwache Bilanz für das erste Halbjahr auf. Auch der Index liegt knapp 3.600 Punkte unter seinem im November erreichten Rekordstand. Seit Monaten belasten die Zinsbewegungen, der Krieg in der Ukraine sowie Inflations- und Rezessionsängste die Aktienmärkte weltweit.
Sorgen um eine Rezession, verursacht unter anderem durch Zinsänderungen der Zentralbanken, halten die Märkte unter Kontrolle. Marktbeobachter Christian Henke von IG Markets kommentierte, dass sich die Hoffnung, dass die drohende konjunkturelle Abschwächung nun gewürdigt werde, noch nicht bewahrheitet habe: „Das Umfeld für die globalen Aktienmärkte ist nicht sehr gut.“
Deutsche Wirtschaft im „Notbetrieb“
„Die Fundamentaldaten des DAX drohen angesichts der Angst vor einer Welle von Gewinnwarnungen einzubrechen“, sagte Jochen Stanzl, Marktanalyst bei CMC Markets. „Die Wirtschaft braucht Energie, und wenn ihre Versorgung nicht mehr gewährleistet ist, geht es um Risikobegrenzung, nicht um Wachstum und Expansion. Die deutsche Wirtschaft bewegt sich auf eine Art Notstand zu.“
Aktuelle Konjunkturdaten dürften die Inflations- und Rezessionssorgen der Anleger nicht zerstreuen, da der Inflationsdruck voraussichtlich anhalten wird: Laut Statistischem Bundesamt stiegen die Importpreise im Mai gegenüber dem Vorjahr um 30,6 %. Der Preis für Energieimporte insgesamt stieg im Mai um fast 144 Prozent.
Auch der private Konsum lässt zu wünschen übrig. Nach rückläufigen Umsätzen im April schnitten die deutschen Einzelhändler im Mai besser ab. Bereinigt um Saison- und Preiseffekte (real) stieg der Umsatz im Vergleich zum Vormonat um 0,6 %. Im Vergleich zum Vorjahresmonat Mai 2021 verzeichnete der Einzelhandel einen realen Umsatzrückgang von 3,6 Prozent.
Aktualisierung der Wirtschaft vom 30.06.2022
Anne-Catherine Beck, HR, 30.06.2022 9:48 Uhr.
Vor dem OPEC+-Treffen: Der Ölpreis fällt
Die Ölpreise fallen heute vor den Verhandlungen mit der OPEC+. Sowohl die Nordsee-Sorte Brent als auch die amerikanische WTI-Sorte haben einen Preisrückgang erlebt.
Mehr als 20 Länder, angeführt von Saudi-Arabien und Russland, werden voraussichtlich den Ölhahn auf der Online-Konferenz OPEC+ weiter öffnen. Zuletzt beschloss die Allianz, die Produktion im Juli um 648.000 Barrel pro Tag zu erhöhen. Ein ähnlicher Schritt ist bereits für August geplant.
Uniper bittet den Staat um Hilfe
Der Energiekonzern Uniper kniet wegen der Gaskrise und bittet um Hilfe vom Staat. Das Unternehmen hat seine Ergebnisvorgaben für das Geschäftsjahr 2022 in Bezug auf das bereinigte EBIT und das bereinigte Nettoergebnis zurückgezogen. Die Geschäftsentwicklung habe sich durch den Krieg in der Ukraine und den damit einhergehenden starken Rückgang der Gaslieferungen aus Russland deutlich verschlechtert, sagte Vorstandsvorsitzender Klaus-Dieter Maubach.
„Deshalb sprechen wir jetzt wieder mit der Bundesregierung über Stabilisierungsmaßnahmen, für die eine Reihe von Instrumenten möglich sind, etwa Bürgschaften und Sicherheitsleistungen, eine Aufstockung der bestehenden Kreditfazilität bis hin zu Eigenkapitalbeteiligungen.“
Verbraucherschützer beschweren sich über Google
Europäische Verbraucherschützer zielen darauf ab, den US-Technologieriesen Google zu verwenden, um personenbezogene Daten zu verwenden, sagte der Europäische Verbraucherverband (BEUC). Laut BEUC lehnen Verbraucherschützer den Prozess der Registrierung für ein Google-Konto ab. Die verwendete Sprache sei „vage, unvollständig und irreführend“. Zudem würden Datenschutzmöglichkeiten benachteiligt.
Die Vereinigten Staaten bestellen den Impfstoff von Pfizer / BioNTech
Für eine geplante Auffrischungskampagne im Herbst hat die US-Regierung in großem Umfang weitere Kronen-Impfstoffe bei Pfizer und BioNZech bestellt. Insbesondere geht es um …
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