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Gasschild: Uniper beantragt Staatshilfe | tagesschau.de

Stand: 08.07.2022 16:11 Uhr

Gasimporteur Uniper hat bei der Bundesregierung Stabilisierungsmaßnahmen beantragt. Es geht um staatliche Eingriffe, höhere Kredite und die Möglichkeit, Preisspitzen an die Kunden weiterzugeben.

Der angeschlagene Energiekonzern Uniper beantragt Stabilisierungshilfen der Bundesregierung. Der Vorschlag zielt auf eine gerechte Kostenverteilung, eine Aufstockung der bestehenden Kreditlinie durch die staatliche Förderbank KfW und eine mögliche Beteiligung des Bundes an dem Unternehmen ab, wie Uniper in einer Pflichtmitteilung an die Börse erläuterte. Die Maßnahmen sollen dazu beitragen, die derzeit eingetretenen Verluste zu beenden und den Liquiditätsbedarf von Uniper zu decken.

Uniper will Preisspitzen weitergeben dürfen

Vor diesem Hintergrund bietet Uniper auch die Möglichkeit, Preiserhöhungen sofort an die Kunden weiterzugeben. Bundestag und Bundesrat haben durch die beschlossenen Gesetzesänderungen weitere Möglichkeiten dafür geschaffen: So kann ein Gebührensystem geschaffen werden, damit Gaspreisspitzen für Energieversorger gleichmäßiger an die Kunden weitergegeben werden können – als Ersatz für die bisher möglichen Regelungen für Preisanpassungen. Davon will die Bundesregierung nach eigenen Angaben möglichst keinen Gebrauch machen, zumindest noch nicht.

„Es gibt täglich zig Millionen Bargeldengpässe“, sagt Michael Heusen, WDR, zu Unipers Rettungsantrag

Tagesschau, 15:00, 07.08.2022

Zur möglichen direkten Staatsbeteiligung schrieb das Unternehmen, der Antrag enthalte einen Vorschlag für “Eigenkapitalkomponenten”, die “zu einer entsprechenden Beteiligung des Bundes an der Uniper SE führen”. Allerdings benötigt Uniper für das gewünschte Engagement der Bundesregierung auch die Unterstützung der finnischen Muttergesellschaft Fortum. „Diesen Weg wollen wir jetzt gehen“, sagte Vorstandsvorsitzender Klaus-Dieter Maubach in Düsseldorf. Die Kunst besteht nun darin, eine Lösung zu finden, die sowohl für die Bundesregierung als auch für Fortum akzeptabel ist. Ein solcher Beschluss muss von der Mitgliederversammlung gefasst werden. Fortum ist ein Schlüsselfaktor, da die Finnen rund 80 % der Anteile halten.

Seit Tagen verhandelt Uniper, Deutschlands größter Gasimporteur, mit der Bundesregierung über mögliche Staatshilfen. Das gestern vom Bundestag und heute vom Bundesrat beschlossene Gesetzespaket schafft beim Schutzgasschild klarer definierte Handlungsoptionen und erleichtert den Zugang zu Hilfen für Energieunternehmen im Bereich der kritischen Infrastrukturen.

Uniper hofft auf Hilfe innerhalb weniger Wochen

Das Unternehmen hoffe nun, „auf Basis unseres Antrags kurzfristig die Hilfe zu bekommen, die wir brauchen“, sagte Maubach auf einer Pressekonferenz. Kurzfristig bedeutet für ihn innerhalb weniger Wochen. „Ich denke, es gibt eine sehr starke Bereitschaft seitens der Bundesregierung, hier sehr eng mit uns zusammenzuarbeiten“, fuhr er fort.

Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck sagte, die Regierung arbeite “mit Hochdruck an Stabilisierungsmaßnahmen” und stehe in engem Kontakt mit allen Beteiligten. Die konkrete Form der Förderung wird nun vereinbart und dann entschieden. Aber eines sei klar: „Wir werden nicht zulassen, dass ein systemrelevantes Unternehmen scheitert und dadurch den globalen Energiemarkt in Aufruhr versetzt.“

Zur Bereitstellung möglicher Stabilisierungsmaßnahmen sagte Habeck: „Wir werden die Option wählen, die für Deutschland, die deutschen Verbraucher, den deutschen Steuerzahler, den deutschen Staat und die sicherste für die Versorgungssicherheit am besten und günstigsten ist.“

Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck zum Antrag von Uniper auf Staatshilfe

tagesschau24 15:00, 07.08.2022 15:56

Zentrale Rolle für die Gasversorgung in Deutschland

Uniper spielt eine zentrale Rolle in der deutschen Energieversorgung und beliefert viele Stadtwerke. Das Unternehmen ist der größte Auslandskunde des russischen Gasriesen Gazprom. Aufgrund stark gestiegener Gaspreise und reduzierter Gaslieferungen aus Russland geriet der Lieferant stark unter Druck. Da der Konzern derzeit aufgrund von Beschränkungen der russischen Gaslieferungen über die Nord Stream 1-Pipeline zusätzliche Gasbezugskosten nicht an die Kunden weitergeben kann. Das Unternehmen kündigte an, dass dies zu erheblichen finanziellen Belastungen führen würde. Uniper ist zudem einer der größten Stromerzeuger in Deutschland. Mit seinen Gasspeichern leistet der Konzern auch einen wichtigen Beitrag zur Sicherung der Winterversorgung Deutschlands.

Noch ist nicht klar, inwieweit sich der Bund an Uniper beteiligen wird, bzw. inwieweit die noch nicht ausgenutzte Kreditlinie der KfW aufgestockt werden kann. Bisher sind es zwei Milliarden Euro. Wie die Nachrichtenagentur dpa unter Berufung auf Regierungskreise berichtet, gibt es noch keine Entscheidungen über konkrete Maßnahmen bei Uniper.

Wie das Unternehmen in seiner Pflichtmitteilung mitteilte, verhandelt aber auch Unipers finnischer Großaktionär Fortum mit der Bundesregierung über die negativen Auswirkungen der aktuellen Gaslieferbeschränkungen für Uniper. Fortum seinerseits teilte mit, die Neuordnung der Geschäftsbereiche von Uniper werde mit der Bundesregierung diskutiert, „um die systemkritischen deutschen Geschäftsaktivitäten zu vereinen und beim Bund abzusichern“. Fortum betont in diesem Zusammenhang: „Als Deutschlands größter Gasimporteur ist Uniper am stärksten von der Drosselung der russischen Gaslieferungen betroffen und steht daher unter enormem finanziellem Druck.“

Mehr Firmenkandidaten für Hilfe

Bremens Bürgermeister Andreas Bovenschulte (SPD) sagte im Bundesrat, es habe Gespräche gegeben, eine “Neun-Milliarden-Spritze” für Uniper aufzulegen, um das Unternehmen zu stabilisieren. Regierungssprecher Steffen Hebstreit wollte dies nicht bestätigen. Die Regierung wird sich dazu äußern, sobald die Verhandlungen mit Uniper zur Unterstützung des Unternehmens abgeschlossen sind. Hebstreit wies darauf hin, dass auch Gespräche mit weiteren Interessenten geführt worden seien. “Dass…