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Das AfD-nahe Radio „Kontrafunk“ hat seinen Sitz in der Schweiz

Deutschland hat ein neues Webradio. Ab dem 21. Juni, Punkt 6 Uhr, wird „Contrafunk“ – das Sprachrohr der Impfskeptiker, der Gegner der Maßnahmen und der Anhänger der AfD – ausgestrahlt.

Der neue Sender will laut den Machern eine Gegenprogrammierung zum „milliardenschweren Nachrichtenapparat der Regierung“ anbieten, aber auch zu „den bodenlosen Fake News über die ‚sogenannte‘ Coronavirus-Pandemie“.

Das Radio war gerade 30 Stunden online, als es sichtbare Unterstützung aus der äußersten rechten Ecke erhielt. Björn Höcke, Vorsitzender der Partei Alternative für Deutschland (AfD), twitterte: „Wer eine Alternative zum öffentlich-rechtlichen Rundfunk mit hoher journalistischer Qualität sucht, hat jetzt eine echte Alternative: Kontrafunk sendet seit gestern ein 24-Stunden-Programm. “

Startkapital von 1,2 Millionen Euro?

Doch wer steckt hinter dem neuen Radio, das nach eigenen Angaben über ein Startkapital von 1,2 Millionen Euro verfügt? Der Hauptsitz von Kontrafunk befindet sich in einem heruntergekommenen Bürogebäude in Cham ZG. Unter der gleichen Adresse sind laut Handelsregister weitere 50 Firmen eingetragen. Nur: Da ist niemand. Ein langer Korridor, leere Räume, die Türen sind nummeriert: 2007, 2008, 2009.

Auf die neue Radiostation in Cham weist nur ein grüner Aufkleber an einem Briefkasten vor dem Gebäude hin. Auf demselben Briefkasten stehen die Namen von drei weiteren Firmen: Hummelflug AG, Serafin Film AG und Gretchen AG. Die drei Unternehmen haben zwei Dinge gemeinsam: Sie sind in der Filmbranche tätig – und gehören Andreas Thiel.

Thiel will dazu keine Angaben machen

Der rechtskonservative Satiriker, der sich in den letzten Jahren als Redner bei Corona-Demonstrationen einen Namen gemacht hat, hat eine eigene Kontrafunk-Talkshow: Yogagaga, „Sprachphilosophische Betrachtungen aus der Schweiz“. Aber was hat das mit Radio zu tun? Handelt es sich um einen Geschäftspartner, Miteigentümer oder nur um einen Moderator? Die Frage ist dem ansonsten eloquenten Satiriker sichtlich unangenehm. Erst reagiert er nicht auf Anfragen, dann sagt er, er sei gerade an einer Filmproduktion beteiligt und stehe erst im Oktober wieder zur Verfügung.

Burkhard Müller-Ulrich ist offizieller Gründer und Inhaber von Kontrafunk. Der deutsche Journalist war langjähriger Moderator des Deutschlandfunks und Talkshow-Moderator bei SWR2, außerdem schrieb er für renommierte Zeitungen. Auf seinem Twitter-Account bezeichnet er sich selbst als Dieselfahrer, Waffenbesitzer und Vielflieger. Sein Motto: „Die Medien sind unser Unglück.“ Eine Anspielung auf den berühmten Satz „Juden sind unser Unglück“ aus der Zeit des Nationalsozialismus?

Klar ist: Müller-Ulrich hat vor Jahren eine scharfe Rechtskurve gemacht. 2017 trat er der AfD bei und wurde während der Corona-Pandemie radikaler. Im vergangenen Jahr warf er seinen Journalistenkollegen öffentlich „Dummheit und Charakterlosigkeit“ vor, Deutschlandfunk und SWR2 beendeten ihre Zusammenarbeit mit ihm.

Müller-Ulrich: Flucht in die Schweiz?

Der Gründer von Kontrafunk lebt teilweise in der Schweiz. In einem Interview mit der rechten Wochenzeitung “Junge Freiheit” sagte er, er sei vor der deutschen Kronenpolitik hierher geflüchtet.

Bleibt die Frage: Warum sitzt ein deutscher Radiosender in Cham in Zug? Kritiker vermuten, dass die Hintermänner von Kontrafunk deutsche Medienqualitätsauflagen umgehen wollen, die in Kraft treten, wenn Desinformationen über den Radiosender verbreitet werden. Ein Arzt behauptet, dass die Verabreichung von Vitamin D allein 80 Prozent der schweren Coronavirus-Fälle verhindert. Alte Menschen, “die noch zu Hause wohnen, die wenig Vitamine trinken, die haben keinen ernsthaften Verlauf.” Mehr noch: Impfungen „schaden dem Immunsystem“.

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Auch der AfD-Politiker Björn Höcke deutete auf Facebook an, dass die deutschen Medienregeln bei der Wahl des Firmensitzes eine Rolle gespielt haben könnten. „Da es sich um ein Unternehmen mit Sitz in der Schweiz handelt, unterliegt es nicht dem ab 2020 geltenden deutschen Medienstaatsvertrag, durch den der deutsche Journalismus rechtlich kontrolliert wird“, schrieb er.

Dazu möchte SonntagsBlick mit Burkhard Müller-Ulrich sprechen. Aber er schwieg – und Andreas Thiel auch.