Germany

Nachhaltiger einkaufen: Klimalabels als neue Hoffnungsträger

Laut der Umweltschutzorganisation WWF verursachen Österreicher mit ihrer Ernährung jährlich mehr als 2.500 Kilogramm CO2-Äquivalente – das entspricht den Emissionen, die eine Autofahrt von Wien nach Peking und zurück verursacht. Ein Großteil der Emissionen geht auf tierische Produkte zurück, die für mehr als zwei Drittel der lebensmittelbedingten Emissionen in Österreich verantwortlich sind.

Insgesamt ist der Anteil der Landwirtschaft an den jährlichen CO2-Emissionen mit 10,2 Prozent geringer als der von Energie/Industrie (43,8 Prozent) und Verkehr (30,1 Prozent). Allerdings verursacht der Personenverkehr auf Österreichs Straßen jährlich rund zwölf Millionen Tonnen CO2 – die ernährungsbedingten Emissionen der Österreicher liegen mit 12,5 Millionen Tonnen etwas höher.

Besonders effektiv ist der Verzicht auf rotes Fleisch

„Die wichtigste Änderung, die wir vornehmen können, um den CO2-Fußabdruck unserer Ernährung zu verringern, besteht darin, weniger Fleisch zu essen“, rät Hannah Ritchie, Forschungsleiterin bei Our World in Data, gegenüber der Financial Times („FT“). Die Reduzierung von rotem Fleisch – insbesondere Rind- und Lammfleisch – ist besonders effektiv, da bei der Aufzucht dieser Tiere große Mengen Methan entstehen, das etwa fünfmal schädlicher ist als CO2.

Durch den Ersatz von Kuhmilch durch eine pflanzliche Alternative können erhebliche Einsparungen bei Milchprodukten erzielt werden. Reis-, Hafer- und Sojadrinks verursachen laut Studienleiter weniger als die Hälfte der Emissionen von Milch. Im Obst- und Gemüsebereich gibt es große Produktunterschiede, die laut Ritchie aber alle deutlich klimafreundlicher sind als Fleisch oder Milchprodukte.

ORF.at/Lukas Krummholz Der Fleischkonsum der Österreicher gehört mit über 60 Kilogramm pro Kopf und Jahr zu den besten in der EU

Der Einfluss von Lebensmitteln auf das Klima ist nicht transparent

Obwohl diese Erkenntnisse inzwischen in der Wissenschaft weit verbreitet sind, sieht die Situation in den Supermarktregalen anders aus. Undurchsichtige und uneinheitliche Lebensmittel-Fußabdrücke würden es Kunden unmöglich machen, zu erkennen, ob ihr Einkauf einen positiven Beitrag für die Umwelt leistet, kritisierte Achim Spiller, Vorsitzender des Wissenschaftlichen Beirats (WBGU) des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft, in einem Interview mit dem Magazin Focus. .

Der WBGU fordert daher eine Fokussierung auf eine überschaubare Anzahl von Labels, die seit mehr als zehn Jahren den Verbrauchern klar kommuniziert werden. Eine Umfrage der Europäischen Verbraucherorganisation aus dem Jahr 2020 bestätigt die Notwendigkeit klarer Informationen: Mehr als die Hälfte der Europäer wünscht sich eine klare Darstellung der Umweltauswirkungen der von ihnen konsumierten Lebensmittel.

Debatte

Klimakrise: Wer wird jetzt gebraucht?

Als erstes Land der Welt plant Dänemark ein eigenes Klimalabel

Aus diesem Grund hat das dänische Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Fischerei kürzlich angekündigt, ein staatlich kontrolliertes Klima-Lebensmittellabel zu schaffen, das die Produktion und Auswahl klimafreundlicher Lebensmittel fördern wird. „Dänemark sollte ein staatlich kontrolliertes Klimalabel haben. Es muss ein einziges Etikett geben, dem die Verbraucher vertrauen können, um den Etiketten-Dschungel zu vermeiden, der uns nur verwirrt“, sagte Minister Rasmus Pren.

Im April kündigte die dänische Regierung an, neun Millionen Kronen (1,21 Millionen Euro) in eine Task Force zu investieren, die bis Ende 2022 einen Vorschlag für das Etikett vorlegen soll. Die Etiketten sollen den CO2-Fußabdruck verschiedener Lebensmittel angeben – Wie genau diese Informationen bereitgestellt werden, bleibt abzuwarten. Man befinde sich in einer globalen Vorreiterposition und zeige der Welt „den Weg zu einer grünen Transformation“, sagt Pren.

EU-Normung als nächster Schritt

Um im Rahmen des Green New Deal die Emissionen innerhalb der EU bis 2030 zu halbieren und bis 2050 vollständig zu erreichen, plant die EU im Rahmen der Farm-to-Fork-Initiative eine transparente Lebensmittelkennzeichnung. Der Rechtsrahmen für nachhaltige Lebensmittelsysteme soll bis Ende 2023 verabschiedet werden. Bei der Einführung eines einheitlichen Labels sind jedoch noch einige zentrale Aspekte zu klären.

„Hier stehen Fragen nach der Wahl der Systemgrenzen und der Verteilung von Energie- und Stoffmengen im Vordergrund“, sagte das österreichische Umweltbundesamt gegenüber ORF.at. „Die meisten bestehenden Kennzeichnungssysteme haben keinen quantifizierten Aspekt von CO2 integriert.“ International gibt es bereits verschiedene Formen der freiwilligen Klimakennzeichnung, die von CO2-Werten über Reduktions- und Offset-Labels, relative Bewertungen im Vergleich zu anderen Produkten bis hin zu einer farblichen Kennzeichnung reichen Maßstab reicht.

Quellen: Öko-Score; Umweltprüfung; Haferflocken; Foundation Earth Mittlerweile gibt es private Klimasiegel mit unterschiedlichen Kriterien

Offene Fragen im Design

„Es stellt sich immer die Frage, was man mit der Kennzeichnung erreichen will. Wenn man die CO2-Emissionen pro Kilogramm Produkt ausweist, ist der Konsument oft weniger bewusst“, sagt Thomas Lindenthal, der am Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FibL) für Nachhaltigkeitsbewertung und Klimaschutz zuständig ist. Sinnvoller ist es, wenn der CO2-Fußabdruck eines Produkts als CO2-Reduktion gegenüber einem anderen vergleichbaren Produkt ausgewiesen wird.

Als „CO2-neutral“ gekennzeichnete Produkte sollen oft nur die entstandenen CO2-Emissionen kompensieren, was im Globalen Süden meist der Fall ist. Solche Projekte könnten viel Gutes bewirken, werden aber auch zu Recht kritisiert, weil sie oft Schwächen in Aspekten der ökologischen oder sozialen Nachhaltigkeit aufweisen.

Lobbyismus und Greenwashing als Problem

Bis es tatsächlich ein einheitliches Nachhaltigkeitslabel in der EU gibt, dürfte noch einige Zeit vergehen. Neben der einheitlichen Methodik für den ökologischen Fußabdruck seien derzeit auch wirtschaftliche Interessen ein Problem, stellt Lindenthal fest. Auch hier setzen sich große Unternehmen dafür ein, ihre Interessen einseitig zu positionieren.

Hier müssen unabhängige wissenschaftliche Methoden eingeführt werden, was eine große Herausforderung darstellt: Wenn Unternehmen solche Labels als diskriminierend empfinden, können sie klagen. Es gibt auch das Problem des Greenwashing, dh. Die PR-Strategien, mit denen Unternehmen ihre Produkte nachhaltiger bewerben, als sie es sind.

„In der Milchindustrie gibt es viele große globale Unternehmen, die in ihren Werbekampagnen zunehmend auf die Reduzierung von CO2-Emissionen setzen. Im Hintergrund jedoch die Lieferanten, dh. dies führt zu geringeren CO2-Emissionen pro Liter Milch.

Ministerium: Kein Label in Österreich geplant

Laut Bundesministerium für Klimaschutz, Umwelt, Energie, Mobilität, Innovation und Technologie ist eine solche Einführung in Österreich kurzfristig nicht vorgesehen. „Eine fundierte CO2-Kennzeichnung von Lebensmitteln ist aus unserer Sicht derzeit aufgrund der extrem großen Zahl von Lebensmitteln mit Zutaten verschiedenster Herkunft kaum möglich“, so das Ministerium gegenüber ORF.at.

ORF.at/Zita Klimek In Kürze wird es in Österreich keine einheitlichen CO2-Labels geben

Allerdings setzt das Regierungsprogramm mehrere Ziele zur Reduzierung der Treibhausgasemissionen von Lebensmitteln: unter anderem regionale und saisonale Lebensmittelversorgung bezogen auf eine Bio-Quote von 30 Prozent bis 2025 und 55 Prozent bis 2030. Hinzu kommt eine „Klimaplatte“. entwickelt, die zukünftig in Gemeinschaftsverpflegung, Kantinen, Restaurants und Hotels angeboten werden.

Ernährung ganzheitlich betrachten

Lindenthal empfiehlt, wenn der Staat etwas im Bereich der Ernährungsnachhaltigkeit regeln wolle, sei es am klügsten, die Ernährung und ihre Auswirkungen ganzheitlicher zu betrachten und beispielsweise Lebensmittelverschwendung einzubeziehen. In diesem Zusammenhang könnte er auch die Mehrwertsteuer auf Bioprodukte senken oder eine in Deutschland bereits diskutierte Fleischsteuer einführen.

„Neben politischen Regulierungsinstrumenten geht es auch um Informationen zu einem gesunden Lebensstil“, sagt Lindenthal. „Das passiert beim Tabak bereits und der Staat kann eine breitere Informationskampagne für eine gesunde und nachhaltige Ernährung starten.“ Laut den Empfehlungen der Österreichischen Gesellschaft für Ernährung (ÖGE) sollten die Österreicher aus gesundheitlichen Gründen rund zwei Drittel weniger Fleisch essen – a Maßnahme , die auch dem Klima zugute käme.