500 Meter lang, 230 Meter breit und ein zwei Kilometer langer Laden, der sich über zwei Stockwerke erstreckt – mit der Eröffnung der SCS am 22. September 1976 entstand direkt vor den Toren Wiens eine der größten Einkaufsstädte Europas. Gleichzeitig begann in Österreich eine neue Ära: die Ära der SB-Warenhäuser.
Die 5.300 Parkplätze waren kurz nach der Eröffnung belegt und die Einkaufsstadt wurde von den Verbrauchern förmlich gestürmt. Billigläden wie Carrefour und elegante Fachgeschäfte wurden unter einem Dach vereint. Hans Duissik, Geschäftsführer der SCS, vermeldet einen gewissen Erfolg: „Großhandel aus dem Ausland nutzte diese Chance, in Österreich Fuß zu fassen.“
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Pionierarbeit
„Die Idee war für die damalige Zeit relativ jung und Pionierarbeit“, sagt Hannes Lindner, Geschäftsführer des badischen Beratungsunternehmens Standort + Markt. Das Konzept stammt wie vieles damals aus den USA: „Ein großes Einkaufszentrum an einem auf Autokunden ausgerichteten Ort.“ Und das Konzept blieb hängen.
Großer Andrang bei der Eröffnung
Die Planung dafür begann in den frühen 1970er Jahren. Inmitten von Ackerland und verlassenen Ziegelteichen wollte der Unternehmer Hans Duisick im Süden Wiens eine Handelsstadt schaffen. Damals sei die Südstadt das Vorbild gewesen, sagt Lindner. In den 1960er Jahren entstand dort ein völlig neues Viertel für etwa 5.000 Menschen. Mittendrin – wenn auch viel kleiner – entstand das erste Einkaufszentrum.
Die autofreie Stadt mitten im Nirgendwo
SCS setzt neue Maßstäbe
Anfang der 1970er Jahre eröffneten schließlich die ersten Großmärkte: 1970 war es das DEZ in Innsbruck mit 11.000 m² Verkaufsfläche, fünf Jahre später folgte das Donauzentrum in Wien, das etwa doppelt so viel Gewerbefläche bot. Mit der Eröffnung der SCS wurden in Österreich jedoch neue Maßstäbe gesetzt: 80.000 Quadratmeter Verkaufsfläche und 160 Filialen.
Für viele Kunden bot SCS ein völlig neues Einkaufserlebnis. Beispielsweise war SCS von Anfang an hauptsächlich auf den Autoverkehr ausgerichtet, was Ihnen das Einkaufen zu Hause erleichterte. 1977 wurden etwa 7,5 Millionen Besucher gezählt. Shopping City selbst rechnete zunächst mit einem Jahresumsatz von rund 3 Mrd. ATS. Nach sechs Jahren soll auch dieses Ziel erreicht sein.
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Angst und Panik
Während die Shops und Großmärkte in der Shopping City Süd mit Sonderangeboten lockten, fürchteten Händler und Einzelhandelsgeschäfte im Raum Mödling und Baden die große Konkurrenz ausländischer Konzerne. Ihre kühnen Verkaufserwartungen versetzten etablierte Kaufleute in und um Wien in Panik. Intern wurden Maßnahmen gegen die aufkommende Vernichtungskonkurrenz im Handel diskutiert.
Angst und Panik bei kleinen Händlern
Trotz allem nach außen zeigten sie sich zuversichtlich: „Wir können uns wehren“, sagte Lebensmittelhändler Hans Rathai damals, „wir verkaufen nicht nur wie bisher, sondern stärken auch den Kundenservice und die Waren, die in den Supermärkten besonders günstig angeboten werden aus unseren Regalen.” Es bestehe keine Angst, dass Kunden gehen, sagte er.
Allerdings reagierte die Lebensmittelkette Konsum auf die SCS-Eröffnung mit einem Expansionsstopp in Wien und startete in Niederösterreich eine gezielte Kampagne mit Vorschlägen, um die Abwanderung in SB-Warenhäuser zu stoppen. Konsumvorstand Hans Purzer warnte damals vor einem zu großen Flächenangebot: „Das erzeugt eine Sogkraft, die die Kaufkraft und Macht der Steuerzahler schwächt.“
Versandboykott
Auch das Kaufhaus Carrefour, das mit seinen 38.000 Artikeln den größten Platz in der SCS einnahm, bekam den Zorn zu spüren. Rund 20 Produktionsfirmen haben dem Konzern ein Lieferverbot auferlegt. Damals antwortete SCS-Betreiber Dujsik auf die Frage, ob er mit SCS den Tod von Lebensmittelhändlern fördere: „Ich glaube nicht, dass ich mir den Tod von Lebensmittelhändlern wünsche, ich liebe meinen Lebensmittelhändler.“
Lebensmittelgeschäft-Museum Viele kleine Lebensmittelgeschäfte fürchten wegen SCS um ihr Überleben
Aber auch bei SCS war zunächst nicht alles Gold, was glänzt, wie Lindner weiß: „Was man anfangs an einen sofortigen Erfolg geglaubt hat, hat wahrscheinlich länger gedauert.“ Nach ein paar Jahren Carrefour zum Beispiel gebe ich auf. Das SB-Warenhaus-Konzept habe sich in Österreich nicht durchgesetzt, sagte er. Lindners Begründung heute: „Die Fachgeschäfte in den Einkaufsstraßen Wiens waren sehr stabil. Es war schwer, gegen den Rat zu verstoßen.
Mödling leidet unter Konkurrenz
Anders war die Situation in Mödling. Die Stadt habe schwer unter SCS gelitten, sagt Lindner: „Dadurch konnte sich Mödling nicht entwickeln, war klein und hatte jahrelang mit riesigen Leerständen zu kämpfen.“ Auch Baden und andere Orte bekamen die Auswirkungen zu spüren, wenn auch nicht so stark. Als Reaktion darauf wurden lokale Marketingkampagnen wie „Don’t move, buy local“ durchgeführt.
Führen nur große Einkaufszentren zur „Gleichberechtigung“?
Aus Sicht der SCS ist das Innere Wiens nach wie vor „ein zartes Pflänzchen, noch nicht so dicht besiedelt, wie wir es heute kennen“. Deshalb haben sie dem Wiener Publikum von Anfang an zugezwinkert – was „der Wiener Politik schon lange ein Dorn im Auge ist“, sagt der Handelsexperte, „weil es keinen Spaß macht, immer einen Konkurrenten direkt an der Stadtgrenze zu haben darauf hinweisen, dass die Dinge groß werden.”
Um Kosten zu sparen, wurde die Shopping City außerhalb von Wien errichtet. Dennoch floss und fließt viel Kaufkraft nach Niederösterreich. Das erklärt laut Lindner auch die zwiespältige Haltung der Wiener Landesregierung gegenüber der SCS, etwa die schlechte Anbindung über die Wiener „Öffentlichen Verkehrsmittel“ – ganz nach dem Motto: „Wenn die da bauen, sollen die Wiener gefallen fahren, aber wir müssen sie nicht mit der U-Bahn dorthin fahren.”
Autoabhängige Strukturen
Das sei eine nachvollziehbare Sichtweise, sagt Lindner, führe aber zu mehr Verkehr und löse auch nicht die Platzprobleme. Ob Bauen am Stadtrand sinnvoll sei, sei eine andere Frage, sagt Lindner. Damit seien aber die ersten Strukturen gekommen, „die uns vom Auto abhängig gemacht haben.“ Lindner fragt diejenigen, die glauben, dass SCS überhaupt noch zu retten ist: „Wo platziert man solche Flächen in einer Stadt?“
APA/Herbert Pfarrhofer Die Shopping City Süd wurde von Anfang an für den Autoverkehr konzipiert
Jedenfalls kümmerten sich die Verbraucher damals nicht um Grenzen – genau wie heute. Nicht zuletzt, weil damals der Wohlstand der Bevölkerung insgesamt zunahm und die Kaufkraft massiv wuchs. “Die Leute fingen an, richtig zu konsumieren.” Dies hat die Nachfrage nach verschiedenen Geschäften mit einer großen Auswahl erhöht. Tatsächlich profitierten auch viele High-Street-Händler von der gestiegenen Kaufkraft.
Streit um Ladeneröffnung
Aber kurz nach der Eröffnung brach ein neuer Streit zwischen den SCS-Betreibern auf der einen Seite und den etablierten High Street-Händlern und der Gewerkschaft auf der anderen Seite aus. Damals durften Lebensmittelgeschäfte bis 18:30 Uhr öffnen, alle anderen bis 18:00 Uhr. Bei SKS sind alle Waren bis 18:30 Uhr ausverkauft.
Streit zwischen SCS und Gewerkschaft über Ladenöffnungszeiten
„Wir glauben, dass wir ein Haus als Lebensmittelgeschäft sind, und deshalb dürfen wir offen bleiben“, erklärte Duisik. Das sahen die Arbeitnehmervertreter natürlich anders, denn jede Verlängerung treibe die Preise in die Höhe und schade den Verbrauchern, klagte Franz Kulf, Hauptgeschäftsführer des Warenhausunternehmens: „Wir werden alle Möglichkeiten ausschöpfen und uns notfalls mit einem Streik wehren. “Am Ende gewannen sie die Kaufkraft der Verbraucher.”
SCS selbst „hat die Zeichen der Zeit immer rechtzeitig erkannt und die nächste Ausbaustufe eingeleitet“, sagt Hannes Lindner. Am 2. Oktober 1988 erfolgte der Schritt nach Süden: 70 neue Geschäfte und das Restaurant zogen auf weitere 40.000 m² Verkaufsfläche. Das IKEA-Möbelhaus wurde direkt an die Mall angeschlossen. Auch ein Bürozentrum wurde errichtet.
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Einkaufszentren boomen
In dieser Phase entwickelte sich nicht nur die SCS, sondern auch viele niederösterreichische Landeshauptstädte wuchsen massiv. Ein Beispiel ist das Gebiet Wiener Neustadt, das damals noch eine starke Innenstadt und eine immer größer werdende Peripherie samt Fischpark hatte. Zu Spitzenzeiten hatte das Einzugsgebiet laut Lindner rund 270.000 Einwohner. „Das war enorm, entsprechend groß ist heute der Platz.“
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