Besuch auf einem Wintergerstenfeld bei Weidhofen an der Taija: An diesem Dienstagnachmittag wird die Braugerste geerntet. Vor einem Jahrzehnt wurden im Waldviertel noch 80 Prozent der hitzeempfindlichen Sommergerste für die Bierherstellung verwendet, heute nur noch 60 Prozent. Der Anteil der Wintergerste ist auf 40 Prozent gestiegen und wird weiter steigen. In früheren Jahrzehnten hatten die Braumeister noch mit der Wintergerste zu kämpfen.
„Das Korn der Wintergerste ist bereits sehr gut ausgereift und steht dem der Sommerbraugerste in nichts nach. In den früheren Jahren wurden die Waagen, d.h. die Samenschalen, waren bei der Winterbraugerste viel dicker und brachten Gerbstoffe in das Bier ein. Der Proteingehalt war zu hoch. Mittlerweile passt alles perfekt“, erklärte Braumeister Heinz Wassner bei diesem Preview-Meeting.
ORF/Hannes Steindl Waldviertler Braumeister Heinz Wasner greift in einen Sack Braugerste
Im Anbau wird Winterfeuchtigkeit genutzt
Rund 120 Waldviertler Bauernhöfe widmen sich dem Gerstenanbau für die regionalen Waldviertler Brauereien. Neue Züchtungen und Sorten erleichtern den Landwirten die Planung. „Wir haben auf diesem Feld eine Sorte angebaut, die es erst seit zwei Jahren gibt“, sagt Feldbesitzer Harald Fuchs.
„Diese Sorte zeichnet sich durch Ertragsstabilität, gute Kornsortierung und geringen Eiweißgehalt aus. Das ist wichtig für Mälzereien.“ Die Anbaufläche von Sommerbraugerste nimmt in Österreich stetig ab. Laut dem Verein „Earth Creates Life“ wurden im Jahr 2020 nur 31.000 Hektar bebaut. Dies ist ein historisches Tief.
Winterbraugerste hat Vorteile
Sommerbraugerste wird in der Regel von Februar bis April ausgesät und hat perfekte Braueigenschaften, leidet aber zunehmend unter fehlenden Niederschlägen. Wenn es zu wenig regnet, sinken die Erträge und der Proteingehalt steigt auf Werte, die für Brauer unbrauchbar sind.
Winterbraugerste hat den Vorteil, dass sie bereits im Herbst des Vorjahres ausgesät wird. Dadurch kann der Landwirt die nassen Monate der kalten Jahreszeit nutzen und ist im Frühjahr weniger abhängig von Regen. Daher liegt der Fokus der Brauer auch auf der Verwendung von Wintergerste. Ihr Anbau hat in den letzten drei Jahren um 5.000 Hektar auf 40.000 Hektar zugenommen.
Fotoserie von 3 Fotos
Die Erde erschafft Leben 2021 Die Erde erschafft Leben 2021 Die Erde erschafft Leben 2021
Gerste ist neben Wasser der Hauptbestandteil von Bier und verantwortlich für Geschmack, Farbe, Stärke und Schaumbildung. Gerste wächst am besten in gemäßigten Klimazonen und auf fruchtbaren, tiefgründigen Lehmböden. Die Hauptanbaugebiete liegen in Russland, Polen, Deutschland, Dänemark, Kanada, USA, Tschechien und Österreich. Das Waldviertel ist eine der südlichsten Regionen Europas, wenn es um den Anbau von Sommerbraugerste geht. Futtergerste ist auch in Kärnten erhältlich. Der Eiweißgehalt von Braugerste sollte elf Prozent nicht überschreiten.
Die Waldviertler Bierproduzenten setzen auf Regionalität
Die im nördlichen Niederösterreich ansässige Privatbrauerei Zwettl beispielsweise ist ein Familienunternehmen in der fünften Generation der Brauerfamilie Karl Schwarz. Ihre Biersorten werden hauptsächlich in der Gastronomie und im Handel im Osten Österreichs vertrieben. Dank der Zusammenarbeit mit den Bauern stammen Hopfen und Gerste aus der Region und das Brauwasser aus eigenen Quellen.
Die Brauerei ist Mitglied der Interessengemeinschaft „Die Freien Brauer“ und der ortsansässigen „CulturBrauer“, aktiver Partner im „Verband unabhängiger Privatbrauereien in Österreich“.
Add Comment