Kinder spüren, wenn ihre Eltern nicht genug Geld für Essen haben. Denn Inflation ist alles, worüber ihre Eltern gerade reden. Zum Beispiel hier im Mutter-Kind-Sozialraum der Diakonie im 15. Arrondissement, sagt Direktorin Teresa Bodner. „Frauen kommen mit ihren Stromrechnungen zu uns und fragen, wie wir das machen? Also was sollen wir tun? Unsere Aufgabe hier ist es, Sie mit den richtigen Leuten zusammenzubringen.“
Einreisestopp bei der Caritas
Babynahrung ist im Geschäft der Einrichtung zu einem Drittel bis zur Hälfte des Preises von normalen Supermärkten erhältlich. Nach dem Inflationsschub sei klar geworden, „dass Frauen natürlich vermehrt Produkte wollen, die es umsonst gibt, denn mit Kindern, vor allem Neugeborenen – und das kommt vielleicht auch mit dem Nicht-Herr-Sein –, dass die Erstausstattung sehr teuer ist.“
ORF Der Bedarf an Babynahrung ist groß
Die gleiche Zunahme an Hilfesuchenden verzeichnet die Caritas auch an ihren Essensausgabestellen in Wien. Laut Generalsekretärin Anna Parr seien Grenzen erreicht, „wo die Mengen massiv steigen, steigt der Bedarf. In der Zwischenzeit mussten wir in Wien einen Zulassungsstopp verhängen. Der Bedarf übersteigt das Angebot. Ich sage es unmissverständlich: Uns gehen die Lebensmittel aus.
Kinderarmut als Teufelskreis
Jedes vierte Kind in Österreich lebt in Armut. Laut NGOs sei die Hälfte der Kinder anderer Nationalitäten von Armut betroffen, sagte Maria Katarina Moser, Leiterin der Diakonie. “Kinderarmut ist ein Teufelskreis aus existenzieller finanzieller Not, unzureichender Bildung und schwerwiegenden Gesundheitsproblemen.”
Die Zahl der Hilfesuchenden ist enorm gestiegen
Deshalb muss Kinderarmut präventiv und nachhaltig bekämpft werden. Die Inflation ist derzeit schneller als die Unterstützung. „Wir brauchen ein Ende der Gießkanne und einen wirklich sehr gezielten Zuschlag für die ärmsten 35 Prozent der Haushalte in Österreich“, sagt Parr. Und gesetzlich verankerte Abschaltung von Heizung und Strom im Winter.
Aufruf zum Kinderschutz
Erich Fenninger von der Volkshilfe forderte in „Wien heute“ grundlegende Kindersicherheit. „Alle Kinder, die in Österreich leben, sollten unterstützt werden, zum Beispiel mit 200 Euro, und Kinder, die in armutsbetroffenen Haushalten aufwachsen, zum Beispiel mit einem Haushaltseinkommen von weniger als 20.000 Euro, damit sie mehr bekommen.“ Es ist nicht verständlich, dass Kinder für von Armut betroffene Eltern verantwortlich gemacht werden sollen.
Eine mögliche Strompreisobergrenze wird in der Warteschleife positiv gesehen. Finanzielle Maßnahmen gegen Kinderarmut sind laut Diakonie auch wirtschaftlich sinnvoll. „Alles, was wir in Kinder investieren, um ihnen einen guten Start ins Leben zu ermöglichen und möglichst frei von Armut zu sein, zahlt sich aus. Das spart später Sozial- und Gesundheitskosten.“
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