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Cloud weiterhin stark: SAP-Aktie stark unter Druck: SAP mit dünner Marge – Gewinnprognose 2022 gesenkt | Nachrichten

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Allerdings laufe das Tagesgeschäft nach Angaben des Managements um Chef Christian Klein vor allem mit Cloud-basierter Software für die Webnutzung so gut, dass Walldorfer am Donnerstag eine Anhebung der 2025-Ziele bekannt gegeben habe. Allerdings kämpft der Konzern derzeit noch mit Sonderkosten durch den Krieg in der Ukraine, hohen Investitionen in das Cloud-Geschäft und einem eingetrübten wirtschaftlichen Umfeld, in dem die Gewinne dahinschmelzen.

Das Nachrichtenpaket kam im Markt schlecht an, die Aktie verlor auf XETRA zeitweise 3,55 % auf 87,50 €. Ein Trader spricht von Gewinnmitnahmen nach enttäuschenden Aussichten. Die US-Investmentbank Goldman Sachs schrieb in einer ersten Stellungnahme, SAP habe im zweiten Quartal gemischte Ergebnisse erzielt. Der neue Ausblick für das operative Ergebnis für 2022 sei recht schwach, hieß es.

Kaum geholfen hat ein aktuelles Aktienrückkaufprogramm in Höhe von bis zu 500 Millionen Euro, mit dem SAP Aktien für eine aktienbasierte Vergütung erwerben will – und damit den Kursverfall der vergangenen Monate ausnutzen will. Mit dem Rückgang der Technologiewerte, insbesondere in diesem Jahr, ist auch der Kurs von SAP unter Druck geraten: Anfang Januar war die Aktie noch um die 125 Euro wert, in den letzten Wochen pendelte sie um die 90 Euro.

Währungsbereinigt soll das um Sondereffekte bereinigte Ergebnis vor Zinsen und Steuern in diesem Jahr gegenüber dem Vorjahr um 4 bis 8 Prozent zurückgehen, so der Konzern. Klein und Finanzvorstand Luka Muchic hatten zuvor eine Stagnation oder einen Rückgang des operativen Ergebnisses um bis zu 5 Prozent angestrebt. Gründe für den schwächeren Ausblick sind zum einen die Kosten für die Einstellung des Geschäfts in Russland und Weißrussland, aber auch ein möglicher weiterer deutlicher Rückgang der Softwarelizenzumsätze. Auch die Steuerquote dürfte in diesem Jahr höher ausfallen als bisher angenommen.

Bei Umsatz und Free Cash Flow hält SAP an den bisherigen Annahmen für 2022 fest. Das Tagesgeschäft laufe laut Management gut und Cloud-basierte Software für die Web-Nutzung sei deutlich gewachsen. Der Gesamtumsatz stieg um 13 Prozent auf 7,5 Milliarden Euro, auch dank des schwachen Euro. Der Cloud-Umsatz stieg um ein Drittel.

In einer Telefonkonferenz führten Klein und Muchic dies auf den Erfolg der „Rise“-Produktsuite für eine schnellere Migration von Kunden in die Cloud zurück. Zu den mittelfristigen Ambitionen für 2025, die einen jährlichen Cloud-Umsatz von über 22 Milliarden Euro (2021: 9,4 Milliarden) vorsehen, kündigte Muchic ein „positives Update“ in den kommenden Quartalen an. Eine Rolle dürfte laut dem Finanzvorstand auch die günstige Entwicklung des Wechselkurses spielen – SAP gibt einen mittelfristigen Ausblick inklusive Währungseffekten. Auch bei der Umstellung der Kunden auf die Cloud ist der Konzern laut Klein dem Zeitplan voraus.

Im Herbst 2020 hat Klein die Cloud-Bemühungen von SAP in einem für Investoren sehr schmerzhaften Umbruch deutlich beschleunigt. Auf Rendite verzichtet das Unternehmen auch dadurch, dass herkömmliche Lizenzsoftware durch ihre hohen einmaligen Verkaufspreise zunächst rentabler ist – Cloud-Verträge amortisieren sich erst nach längerer Zeit über Abo-Beträge. Da sich die Technologie auch ändert, um die Strategie zu ändern, und der Verkauf durch finanzielle Anreize zum Verkauf von Cloud-Produkten verkürzt wird, kostet dies Geld.

Die Investitionen dafür beliefen sich im zweiten Quartal auf rund 100 Millionen Euro, wie Muchic erläuterte. Und sie werden bis Mitte 2023 andauern, dann will der Konzern ernten. Insgesamt soll das bereinigte Betriebsergebnis 2023 im zweistelligen Prozentbereich wachsen, wie Muchic bestätigte.

Bis heute befindet sich das Unternehmen noch am Boden. Das bereinigte operative Ergebnis sank im zweiten Quartal um 13 Prozent auf 1,68 Milliarden Euro und war damit schwächer als die durchschnittliche Expertenerwartung. Die Einstellung des Geschäfts in Russland und Weißrussland sei nicht zuletzt wegen der “ironischen” Aufwertung des russischen Rubels 160 Millionen Euro wert, so Muchic. Auf Jahressicht dürfte der Angriffskrieg Russlands in der Ukraine Kosten in Höhe von rund 350 Millionen Euro verursachen, also weitere 120 Millionen Euro in der zweiten Jahreshälfte.

In der aktuell schwierigen Wirtschaftslage greifen die Kunden vor allem zu Cloud-basierter Software, was für Kleins Ausrichtung gut ist, aber auch die Margen belastet. Lizenzierte Software schnitt noch schlechter ab als erwartet. Analyst Mohamed Moawala von Goldman Sachs schrieb, dass ein unerwartet schwaches Lizenzgeschäft durch eine starke Leistung in der Cloud ausgeglichen wurde. Der schnell wachsende Auftragsbestand für die Kernsoftware S4 Hana deutet auf eine schnellere Kundenabwicklung in diesem Bereich hin.

Fazit: Auch die wirtschaftliche Lage macht sich bemerkbar, der Nettogewinn ging um 86 Prozent auf nur noch 203 Millionen Euro zurück. Nicht nur der SAP-Aktienkurs, sondern auch die Marktbewertung kleinerer Technologie-Startups litt in den ersten Monaten des Jahres deutlich. SAP investiert in genau solche Unternehmen über seine Beteiligung an der Risikokapitalgesellschaft Sapphire Ventures. Vor einem Jahr brachte dies noch deutliche Gewinne durch höhere Bewertungen vielversprechender Unternehmen, diesmal war der Saldo dieser Investments sogar negativ.

Schließlich spielt der schwache Euro den Waldorfs derzeit in die Hände. Obwohl SAP eine währungsbereinigte Jahresprognose abgibt, rechnet das Unternehmen damit, dass die nun profitablere Umrechnung von Fremdwährungen in Euro den ausgewiesenen Zahlen Gegenwind geben wird. Infolgedessen sollte das Cloud-Umsatzwachstum um weitere 7 bis 9 Prozentpunkte höher ausfallen, und die Veränderung des bereinigten Betriebsergebnisses sollte sich um 2,5 bis 4,5 Prozentpunkte verbessern.

WALDORF (dpa-AFX)

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