Die Credit Suisse wird in Kürze den Rücktritt von CEO Thomas Gottstein bekannt geben. Das berichtete das „Wall Street Journal“ unter Berufung auf „Leute, die die Bank kennen“. Verlässliche Quellen bestätigen gegenüber Blick die Fakten.
Der genaue Abflugzeitpunkt steht noch nicht fest, möglicherweise gibt es aber bereits am Mittwoch eine Ankündigung. Dann wird die Bank auch ihre Halbjahresdaten veröffentlichen. Wie immer kurz vor sieben Uhr – vor Börseneröffnung.
Die Credit Suisse reagierte nicht auf Anfragen der Zeitung. Auch wer Gottsteins Nachfolger wird, ist noch nicht bekannt.
Ein Skandal folgt dem anderen
Gottstein hat am 14. Februar 2020 die Nachfolge von Tijan Thiam als CEO angetreten. Er musste im Zuge der zwielichtigen Affäre um Top-Banker Iqbal Khan zurücktreten. Aber Gottstein hatte auch nicht viel Glück. Er führte die Bank sowohl durch den Greensill-Skandal als auch durch den Zusammenbruch des Hedgefonds Archegos. Zudem wurde bekannt, dass die CS im Streit mit dem ehemaligen georgischen Ministerpräsidenten Bidsina Iwanischwili laut einem Gericht auf Bermuda 607 Millionen Dollar zahlen muss.
Das Gericht des karibischen Archipels hat die Credit Suisse Ende März zur Zahlung von Iwanischwili verurteilt. Die genaue Höhe der Prämie wurde jedoch zunächst nicht bekannt gegeben. Die Schweizer Grossbank kündigte umgehend an, das Urteil anzufechten.
Die CS-Aktie fiel unter 5 Franken
Im Juni meldete die Bank ihren dritten Quartalsverlust in Folge. Das Gesamtergebnis ist den Angaben zufolge durch den Verlust der Investmentbank negativ. Der Geschäftsbereich dürfte in den vergangenen Monaten deutlich unter dem schwierigen Finanzmarktumfeld gelitten haben.
Nach der Ernennung von Gottstein zum CEO fiel der Aktienkurs von 13,4 Franken auf 5,16 Franken am heutigen Dienstag – zwischenzeitlich am 15. Juli sogar unter den Wert von fünf Franken.
Ende April unterstützte CS-Präsident Axel Lehmann jedoch den unter Beschuss geratenen Gottstein. Lehmann sagte in einem Interview, dass die krisengebeutelte Bank mit Gottstein wieder auf Kurs kommen müsse.
Lehmann betonte, er habe Gottstein nicht ersetzt, weil er gut sei. „Er kennt sich im Investment Banking, in der Vermögensverwaltung und in der Schweizer Wirtschaft aus. Bei so vielen Neubesetzungen muss jemand an der Spitze stehen, der weiß, wie die ganze Organisation funktioniert und wer die wichtigsten Kunden sind.“ CS hat derzeit eine gute Mischung aus Kontinuität und Führungswechsel. »
Wenn die Berichte stimmen, hätte Lehman seine Meinung ziemlich schnell geändert. (vof/SDA)
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