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Der Fall Leoni: Aufruf wegen Mordes

Die Angehörigen der 13-jährigen Leonie stellen sich vor den Vergewaltigungsprozess gegen drei junge Männer aus Afghanistan. Die Eltern des Opfers und vier Geschwister sollen sich dem Strafverfahren mit Schadensersatzforderungen anschließen.

Der Strafprozess gegen die drei afghanischen Asylbewerber, die für den Tod der 13-jährigen Leonie verantwortlich sind, wird voraussichtlich im September stattfinden. Das Mädchen aus Niederösterreich wurde in der Nacht des 26. Juni 2021 mit Ecstasy betäubt und angeblich von den drei Männern vergewaltigt (laut DNA-Berichten wurden Spuren des Opfers oder des Täters gefunden, die diese Behauptung stützen). Nach den sexuellen Übergriffen auf das damals wehrlose Opfer starb Leonie an einer Überdosis Ecstasy. Die Hinterbliebenenanwälte Florian Høllwart und Johannes Ohlböck sagten am Dienstag auf einer Pressekonferenz, dass auch eine Anklage wegen Mordes in Betracht gezogen werden könne. Bei den anwaltlich vertretenen Hinterbliebenen handelt es sich um Leonies Eltern und vier Geschwister im Alter zwischen 16 und 20 Jahren.

Die Anklage lautet auf Vergewaltigung mit Todesfolge und schweren sexuellen Missbrauch von Minderjährigen. Einer der drei Verdächtigen, ein Erwachsener, muss mit lebenslanger Haft rechnen (ebenso wie eine Mordanklage), die anderen beiden gelten als Jugendliche und müssen mit bis zu 20 Jahren Haft rechnen. Einer dieser beiden Jugendlichen (d. h. derjenige unter 21 Jahren) ist kürzlich selbst “gealtert”, aber das Gutachten zur Altersbestimmung zeigt, dass er zur Tatzeit 19 Jahre alt war. .

Da zwei der Angeklagten bereits drei Mal wegen Drogendelikten vorbestraft sind, argumentieren Anwälte der Hinterbliebenen nun, dass die Männer auch wegen Mordes angeklagt werden könnten, da sie aufgrund ihres Vorlebens über die Auswirkungen einer Ecstasy-Überdosis Bescheid wissen müssten.

Tatsächlich ist der (bedingte) Mordvorsatz auch dann gegeben, wenn man den Tod ernsthaft für möglich hält und in Kauf nimmt. Da zwei der drei Angeklagten jeweils drei Freiheitsstrafen wegen Verstoßes gegen das Betäubungsmittelgesetz haben und somit bereits im Gefängnis waren, darf das Gericht auch davon ausgehen, dass Sie als ehemaliger Drogendealer ausreichend über die Wirkungsweise von Ecstasy Bescheid wissen. Leonie wurden in der Wohnung eines der Angeklagten nicht weniger als sieben Ecstasy-Tabletten verabreicht. Zuvor wurde ihr eine Pille angeboten, die sie freiwillig nahm.

Mordvorwurf als starkes Symbol

Laut den Anwälten der Hinterbliebenen geht es darum, dass die Änderung der Anklage wegen Mordes ein Symbol für die Außenwelt ist, das die Sinnlosigkeit der Tat widerspiegelt. Stand jetzt beschuldigen sich die drei Angeklagten gegenseitig oder bestreiten ihre eigene Beteiligung an der Tat. Einer der drei tauchte sogar in London unter, wurde aber von gezielten Ermittlern aufgespürt und zurück nach Wien gebracht. Das Trio gilt als unschuldig.

Inzwischen haben Höllwarth und Öhlböck angekündigt, dass sie den Prozess unter Ausschluss der Öffentlichkeit beantragen werden (noch keine Verhandlungstermine). Es ist davon auszugehen, dass Prozessbeobachter die Vernehmungen der Angeklagten hören werden. Der Ausschluss kann nur dann von einem Gericht angeordnet werden, wenn im Gerichtssaal die Videos abgespielt werden, die die Angeklagten von ihrer eigenen Tat gemacht haben. Ob und wann ein Ausschluss vorliegt, ist natürlich Sache des Gerichts.

Inzwischen bereiten Anwälte sogenannte Parteianleihen vor. Das bedeutet, dass sie im Namen der Hinterbliebenen vom Angeklagten eine Entschädigung verlangen. Insbesondere werden Hinterbliebenenleistungen in Anspruch genommen. Zwischen 10.000 und 50.000 Euro können für jeden Hinterbliebenen geltend gemacht werden. Allerdings ist anzumerken, dass es äußerst zweifelhaft ist, ob die Beklagten das Entschädigungsgeld – auch wenn das Geld zur Verfügung gestellt wird – eintreiben können (und werden).

Entschädigung durch Berufshaftpflicht

Letztlich nahmen sich Anwälte auch die Freiheit, den Staat durch formelle Haftungsansprüche in die Pflicht zu nehmen. Argument: Wären die bekannten – bereits verurteilten Männer in ihre Heimat abgeschoben worden, wäre das Verbrechen nicht passiert. Ob rechtswidriges und schuldhaftes Verhalten staatlicher Stellen nachgewiesen werden kann, ist jedoch im Vorfeld schwer abzuschätzen. Einfach wird es jedenfalls nicht.