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Invasive Schlangenart erobert Europa – Gefahr?

Das hält auch Philipp Haubrock vom Frankfurter Forschungsinstitut Zenkenberg (Standort Gelnhausen) für möglich: „Da diese Art in europäischen Terrarien weit verbreitet ist, würde es mich nicht wundern, wenn wir häufiger von solchen Funden hören.“ sagt er. Aufgrund der Größe und der steigenden Energiepreise werden immer mehr Tierhalter ihre Tiere unbeaufsichtigt lassen. Mit einer schnellen Verbreitung rechnet der Senckenberg-Wissenschaftler allerdings nicht. Individuen dieser Art werden erst nach wenigen Jahren geschlechtsreif, und der relativ kalte deutsche Winter hindert sie noch daran.

Die dunkelbraune, gelb gestreifte kalifornische Kettennatter steht seit Anfang August auf der Liste der invasiven Arten der Union. EU-weit besteht ein Handels- und Zuchtverbot, der Besitz vorhandener Tiere ist jedoch nicht verboten. Sie sind für den Menschen ungefährlich.

“Biologische Invasionen”

Reptilienforscher Axel Kvet hält den Schritt für übertrieben und unverständlich. „Bisher war die Verbreitung nur auf den Kanaren intensiv“, sagte der Geschäftsführer der Deutschen Gesellschaft für Herpetologie und Terraristik (DGHT). „Wenn man dieser Schlange ein solches Verbot erteilt, könnte man das auch für etliche andere Tiere tun.“ Viele verantwortungsbewusste Hobbyzüchter verlieren bereits das Interesse an den als „Anfängerschlangen“ beliebten und leicht zu haltenden Reptilien .

Frühzeitiges Handeln zur Verhinderung der Ausbreitung solcher Arten kann jedoch von Vorteil sein – nicht nur für die einheimische Tierwelt. Gemeinsam mit anderen Forschern untersuchte Senckenberg Haubrock, welche Kosten invasive Arten verursachen und wie sie verhindert werden können. Seit 1960 beliefen sich die Kosten der Maßnahmen weltweit auf rund 84 Milliarden Euro, wie die Studie in der Fachzeitschrift Science of the Total Environment erläutert. Dem stünden im gleichen Zeitraum Schäden aus Verlusten in der Land- und Forstwirtschaft, der Infrastruktur oder der Belastung der Gesundheitssysteme in Höhe von mindestens 976 Milliarden Euro gegenüber.

„Wenn wir die Auswirkungen invasiver Arten auf die Umwelt sehen, sind sie oft schon etabliert und weit verbreitet“, warnt Haubrock. Es ist jedoch schwierig, Entscheidungsträger davon zu überzeugen, in etwas zu investieren, das kein Problem mehr darstellt. Auch fehlt es nach Haubrocks Ansicht bei Tierhaltern an einem breiteren Verständnis für die Gefahren, die von “biologischen Invasionen” ausgehen. “Ich denke, die Schulen sollten hier anfangen”, schlägt er vor.