Der Traum vom eigenen Haus sei “vorerst auf Eis gelegt”, sagte der 27-jährige Osman gegenüber ORF.at. Um die Eltern finanziell zu unterstützen, hat der in Sankt Pölten lebende Bauingenieur die Energiekosten übernommen – Lebensmitteleinkäufe werden zu Hause geteilt. ORF.at sprach auch mit der 18-jährigen Mayar aus Wien: Sie suchte einen Nebenjob in der Gastronomie, um ihre Eltern notfalls unterstützen zu können. In ihrem Freundeskreis stellt Mayar fest, dass viele ihrer Freunde “jetzt versuchen, finanziell unabhängiger von ihren Eltern zu werden”, um die Eltern nicht noch mehr zu belasten.
Dass sich immer mehr junge Menschen nebenbei etwas dazuverdienen, kann auch Gerhard Huber, Geschäftsführer des Personaldienstleisters easystaff für Studenten- und Nebenjobs, bestätigen – er berichtet von einem „Rekordjahr“ bei den Anmeldungen und Bewerbungen im Unternehmen Kernzielgruppe Menschen zwischen 18 und 30 Jahren.
ORF.at Der 18-jährige Mayar spricht im ORF.at-Interview über Inflation
Wie Generationen ihr Geld ausgeben
Preiserhöhungen betreffen nicht alle gleichermaßen, die Unterschiede resultieren aus dem Verbraucherverhalten – dh. Vorlieben und Lebensstil – erklärt Ökonom Sebastian Koch vom Institut für Höhere Studien (IHS). Das Institut berechnete die Inflationsrate nach Altersgruppen in Österreich. Wichtig ist zu betonen, dass die Berechnungen für die jeweiligen Bevölkerungsgruppen gemittelt sind – laut dem Experten „kann die individuelle Inflation stark variieren“.
Die folgende Grafik zeigt die Anteile der Warenkorbausgaben nach Altersgruppen – basierend auf der Konsumerhebung 2019/2020 der Statistik Austria. Koch erklärt: „Ich habe hohe Inflationsraten, gerade wenn die Preise in Gegenden mit hohem Kostenanteil steigen.“ Miete und Transportkosten erklären laut dem Experten die größten Unterschiede zwischen den Altersgruppen.
Untersuchungen zeigen, dass junge Menschen unter 30 Jahren in Österreich mehr mieten, wodurch sie steigenden Mieten stärker ausgesetzt sind als ältere Generationen mit höheren Wohneigentumsquoten. Andererseits geben jüngere Menschen weniger für Haushaltsenergie aus – was sich derzeit in den altersabhängigen Inflationsraten widerspiegelt. Jüngere Menschen geben tendenziell etwas weniger Geld für Essen aus, dafür aber etwas mehr für Freizeit (zB Reisen) und Essen gehen.
Studenten an der Grenze
Im Interview mit ORF.at erklärt die 20-jährige Studentin Laura (Vorname von der Redaktion geändert) die Auswirkungen von Preiserhöhungen auf das Leben der Studierenden. Am meisten Sorgen bereiten ihr die anstehenden Strom- und Gasrechnungen: „Ich weiß einfach nicht, wie ich mir das leisten soll, das ist im Moment ein großes Fragezeichen.“ Bodenkultur Wien (BOKU) studiert, arbeitet nebenbei in Teilzeit und erhält eine monatliche Studienbeihilfe von 326 Euro.
Katharina Weissenböck, Sozialpolitische Referentin bei der Österreichischen Hochschülerschaft (ÖH), berichtet über die angespannte finanzielle Situation von Studierenden: In die Wohnberatung kommen merklich mehr Studierende mit „existenziellen Fragen“ wie „Ich kann mir die Wohnung nicht mehr leisten“ oder „Ich habe eine Nachzahlung und weiß nicht, wie ich sie bezahlen soll“, sagte Weissenböck gegenüber ORF.at.
“Berechnet schlecht”
Besonders betroffen sind Studierende aus Drittstaaten, die neben dem Studium arbeiten und Kinder haben. Weissenböck erklärt: „Auch während der Pandemie haben viele Studierende ihre Jobs verloren, was dazu führte, dass viele Studierende auf Rücklagen zurückgreifen mussten“ und deshalb „nicht in der Lage waren, angemessen auf die Inflation zu reagieren“, so Weissenböck.
College-Studenten leben oft knapp unter der Armutsgrenze, weil sie normalerweise ein niedriges Einkommen haben, sagt die Sozialökonomin Karin Heitzman, die sich mit Armut befasst. So waren nach den aktuellen EU-SILC-Daten für 2021 13 Prozent aller Menschen im erwerbsfähigen Alter (18 bis 64 Jahre) armutsgefährdet – das heißt, sie hatten ein äquivalentes Jahreseinkommen pro Kopf unterhalb des Risikos -der-Armutsschwelle im Jahr 2020. Wenn sie nicht erwerbstätig waren und sich mindestens sechs Monate im Jahr in Ausbildung befanden, lag die Quote bei 22 Prozent. Laut Heitzman ist davon auszugehen, dass zu dieser Gruppe viele Studierende gehören.
Sparen Sie, wenn Sie leben
Angesichts der aktuellen Situation empfiehlt Christian Bartok von der Mieterhilfe der Stadt Wien vor allem jüngeren Menschen, sich an Wohnberatungsstellen zu wenden, da „häufig Potenzial zum Bausparen“ besteht. Im Rahmen der kostenlosen Beratung und Betreuung können Einsparpotenziale durch Prüfung von Mietverträgen, Nebenkostenabrechnungen oder Heizkostenabrechnungen identifiziert werden – bei Bedarf kann weiterführende Vermittlung zu Stellen wie Wohngeld- und Schlichtungsstellen in wohnungsrechtlichen Fragen erfolgen.
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