Im Februar und August 2022 soll der Kursleiter Übungen mit einer Gruppe von Offiziersanwärtern durchgeführt haben, die „nicht unter den Übungsplan fielen“, wie der Leiter der Staatsanwaltschaft Wiener Neustadt, Erich Habitzl, dem noe.ORF at mitteilte.
Folglich spielten die Seekadetten ein POW-Szenario durch. Die Beteiligten seien körperlich und seelisch unter Druck gesetzt worden, so Habitzl. Gegen den Ausbildungsleiter wird wegen Folter, Inhaftierung, Nötigung, gefährlicher Drohung und erniedrigender Behandlung ermittelt.
Der Whistleblower wandte sich an die Justiz
Die Vorwürfe beruhen auf einer Sachverhaltsdarstellung, die ein Whistleblower am 28. Oktober an die Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft (WKStA) weitergeleitet hat. Die WKStA übernahm die Verantwortung nicht und leitete die Anzeige an die Staatsanwaltschaft Wiener Neustadt weiter.
Die der APA vorliegende Sachverhaltsdarstellung besagt, dass die Einwilligung der Betroffenen nie eingeholt wurde und auch keine Möglichkeit bestand, von der Studie zurückzutreten. Die Schilderung des Sachverhalts berichtete unter anderem von „zielgerichtetem Dauerstress“ am 16. und 17. Februar, die Fähnriche seien unmenschlich behandelt und „erschöpft und gefoltert“ worden.
Armee spricht über „Standardtraining“
Habitzl sagt, dass diese Art von Training nicht im Trainingsplan enthalten ist. Die Armee widerspricht dieser Ansicht. „Das Verhalten in Gefangenschaft gehört zum Lehrplan“, sagte Bundeswehrsprecher Michael Bauer gegenüber noe.ORF.at. „Das war eine Ausbildung, die zur Offiziersausbildung gehört, eine Standardausbildung.“ Die Ausbildungseinheit werde in dieser Form an der Militärakademie seit Jahren praktiziert, auch unter dem angeklagten Ausbilder, so Bauer. Der Beamte hat noch Schicht.
Die Staatsanwaltschaft Wiener Neustadt übertrug die Ermittlungen dem Landeskriminalamt. „Wir stehen noch ganz am Anfang“, sagt Habitzl. Sobald eine erste polizeiliche Anzeige vorliegt, könne eine weitere rechtliche Prüfung erfolgen, so Habitzl.
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