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Der Praxisassistent sorgt im Rheintal für Aufsehen

Majlinda Suleimani (33) erhält “gut gemeinte” Ratschläge von älteren Männern

Der Gemeinderatskandidat sorgt im Rheintal für Aufsehen

Majlinda Sulejmani ist Mutter und engagiert sich ehrenamtlich in der Rheintalgemeinde St. Margarethen. Nun will sie im Gemeinderat ins Zentrum – und holt sich «gut gemeinte» Ratschläge von älteren Herren und SVP-Sympathisanten.

Gepostet: 18:49 Uhr

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Aktualisiert: 19:59 Uhr

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Majlinda Sulejmani stammt aus dem Kosovo und kandidiert für den Gemeinderat in St. Margarethen SG.

Sandro Zulian Reporter-Nachrichten

«Der Kandidat lässt sich gerne fotografieren, hat viele – zu viele – Mandate in diversen Vereinen und Organisationen und ist in den sozialen Medien allgegenwärtig.» So steht es in einem Leserbrief von Marcel Toeltl (61) auf der Plattform rheintal24.ch. Der Nazi-Sympathisant wurde vor drei Jahren aus der SVP Rheintal ausgeschlossen – wegen rassistischer Äußerungen.

Seine Kritik an Majlinda Suleimani (33) wird geprüft. Sie ist Krankenschwester im Spital Wil, Vizepräsidentin Mitte-Frauen im Kanton St. Gallen, Gemeindepräsident von Mitte in St. Margrethen und Mitglied in vielen verschiedenen Vereinen im Rheintal.

Vor einer Woche hatte sie ihre Kandidatur für den vakanten Gemeinderatssitz in St. Margreten angekündigt und trat damit gegen die SVP an. Der Beginn vieler Kritikpunkte, die sie trafen.

„Versuch mich zu verärgern und zu manipulieren“

Sie hatte nicht nur Gegenwind, sondern viele „gut gemeinte“ Ratschläge landeten in ihrem Posteingang. „Du hast nicht genug darüber nachgedacht. Musst du öfter auf deinem Gesicht fliegen?“, schreibt ein besorgter alter Mann (80), der behauptet, „ungeheuer Erfahrung“ zu haben. „Ich habe es dir unzählige Male erklärt. Aber du willst es einfach nicht hören .” Sie ist zu unerfahren, sie hat wenig Zeit, weil sie Mutter ist, sie hat zu wenig Zeit, weil sie sich in der Gemeinschaft engagiert, so der Tenor.

Auf unaufgeforderte Ratschläge älterer Herren und Kritik von politisch Verschwundenen kann Soleimani getrost verzichten. Gegenüber Blick gibt sie sich jedoch diplomatisch: «Das ist keine Hetzkampagne, sondern diverse Versuche, mich zu verärgern und zu manipulieren.»

Die heilige Margreten hat ein besonderes und sehr süßes Sternbild. Damit meint sie den relativ hohen Anteil an Ausländern kombiniert mit Alteingesessenen, die die alten Schweizer Bräuche noch schätzen und pflegen. Umso entschlossener ist die alleinerziehende Mutter daher: „Ich bin davon überzeugt, dass ich der ideale Brückenbauer zwischen Altbewährtem und Neuem bin.“