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Bluthochdruckbestimmung: Diagnose und Arztwahl

Von Torsten Dargac, Sportwissenschaftler und Nuno Alves | 19. Januar 2023 um 4:12 Uhr

Obwohl Bluthochdruck weltweit zu den häufigsten Erkrankungen gehört, kann es mitunter Jahre dauern, bis eine eindeutige Diagnose gestellt wird. Ein Grund dafür ist, dass Bluthochdruck oft nur wenige oder keine offensichtlichen Symptome verursacht. Zudem werden die Folgen weiterhin unterschätzt. Aber wie stellt ein Arzt fest, ob jemand Bluthochdruck hat?

Bluthochdruck ist immer noch eine Krankheit, die meist zufällig entdeckt wird. Und selbst wenn der bei einer ärztlichen Untersuchung gemessene Blutdruck im abnorm hohen Bereich liegt, bedeutet dies nicht, dass eine Person tatsächlich unter Bluthochdruck im Sinne einer chronischen Erkrankung operiert. Besteht jedoch ein Verdacht, sollte immer eine Untersuchung durchgeführt werden. FITBOOK über die verschiedenen Methoden zur Diagnose von Bluthochdruck und dem sogenannten Weißkittel-Syndrom.

Wie wird die Diagnose gestellt?

Wiederholbare praktische Messungen

Eine eindeutige Diagnose erfordert mehrere Messungen durch den Arzt, da eine einmalige Blutdruckerhöhung keinen Sinn macht. Die Messung erfolgt an beiden Oberarmen nach einer Ruhezeit von etwa fünf Minuten. Liegt der Wert bei wiederholter Messung an verschiedenen Tagen über 140/90 mmHg, handelt es sich um einen behandlungsbedürftigen Bluthochdruck. Tipp: Noch aussagekräftiger ist die Diagnose, wenn der Arzt zusätzlich den Blutdruck am Knöchel misst. Je höher der Blutdruck, desto mehr Folgeuntersuchungen sind wahrscheinlich.

24-Stunden-Blutdruckmessung

Eine verlässliche Aussage kann vor allem nach einer 24-Stunden-Blutdruckmessung getroffen werden. Leider wird diese Diagnosemethode noch nicht standardmäßig verwendet. Eine spanische Registerstudie zeigte, dass 24-Stunden-Blutdruckmessungen das Risiko eines vorzeitigen Todes besser vorhersagen als Messungen in der Praxis.1

Bei der 24-Stunden-Blutdruckmessung erhalten Patienten ein Blutdruckmessgerät, das sie Tag und Nacht tragen müssen. Anschließend werden in regelmäßigen Abständen Messungen durchgeführt. Gleichzeitig erfasst der Patient alle Ereignisse des Alltags, die Rückschlüsse auf Blutdruckschwankungen zulassen, wie z. B. Stresssituationen, körperliche Anstrengung etc.

Die 24-Stunden-Blutdruckmessung ist insofern aufschlussreich, als sie aufgrund von Durchschnittswerten und möglichen Abweichungen nach oben oder unten ein besseres Gesamtbild bietet und somit im Hinblick auf einen möglichen Krankheitswert aussagekräftiger ist. Nachts sollte der Blutdruck um bis zu 10 bis 20 Prozent sinken. Bleibt er hoch, ist er ein wichtiger Indikator für die Diagnose von Bluthochdruck.

Ein Nachteil der 24-Stunden-Blutdruckmessung ist, dass das Gerät regelmäßig und nachts misst, was oft als störend empfunden wird und den Schlaf beeinträchtigen kann.

Zusätzliche Forschung

Je nach Alter und Begleiterkrankungen kann der Arzt auch ein Belastungs-EKG, eine Echokardiographie (Ultraschalluntersuchung des Herzens) und eine Ultraschall-Doppler-Untersuchung der Nierenarterien anordnen. Auch eine Ultraschalluntersuchung der Hals- und Beingefäße ist möglich. Wenn der Verdacht besteht, dass Bluthochdruck das Sehvermögen beeinträchtigt, können Sie zur Untersuchung des Augenhintergrunds an einen Augenarzt überwiesen werden. Gerade bei Glaukompatienten ist es wichtig, die Bluthochdrucktherapie an die Augenerkrankung anzupassen.

Was ist das Weißkittel-Syndrom?

Bei der Blutdruckmessung ist oft ein eigenartiges Phänomen zu beobachten. Sobald der Arzt Hand anlegt, ist der Blutdruck höher als die zu Hause gemessenen Werte. Manchmal bis zu 30 Prozent. In diesen Fällen spricht man vom sogenannten Weißkittel-Syndrom. Das ist die Nervosität, die Frauen und Männer in weißen Kitteln hervorrufen können. Überraschenderweise ist dieses Syndrom weniger ausgeprägt, wenn eine Arzthelferin oder Krankenschwester den Blutdruck misst. Sowohl Arzt als auch Praxispersonal sind mit dem Phänomen vertraut und berücksichtigen es in der Regel bei der Interpretation von Werten, sofern andere Risikofaktoren ausgeschlossen sind.

Das Weißkittel-Syndrom lässt sich mit einer 24-Stunden-Blutdruckmessung überlisten. Nur so kann eine sichere Diagnose gestellt werden.

Kontrolle zu Hause: Für wen Blutautomaten sinnvoll sind

Generell empfiehlt es sich, den Blutdruck regelmäßig zu messen, auch wenn Sie sich gesund und fit fühlen. Menschen, die einen oder mehrere Risikofaktoren gemeinsam haben – wie Übergewicht, chronischer Stress, Rauchen etc. – Werte besonders oft setzen müssen. Menschen, bei denen Bluthochdruck diagnostiziert wurde, sollten es sich auf jeden Fall zur Gewohnheit machen.

Blutdruckmessgeräte sind glücklicherweise nicht mehr nur Medizinern vorbehalten, sondern relativ günstig in Apotheken, Drogerien und Elektrofachmärkten erhältlich. Bei Patienten mit Bluthochdruck übernehmen die Krankenkassen sogar den Kaufpreis. Es gibt zahlreiche einfach zu bedienende, vollautomatische Geräte für den Heimgebrauch. Viele können die Messwerte sogar speichern. Tests zeigen jedoch immer wieder Qualitätsunterschiede. Daher kann es sinnvoll sein, mit dem eigenen Gerät in die Arztpraxis zu gehen und zu vergleichen.

Bei Blutdruckmessgeräten haben Sie die Wahl zwischen Handgelenk- und Oberarmgeräten. Experten empfehlen, am Oberarm zu messen, denn dann befindet sich das Gerät definitiv auf Höhe des Herzens. Tests zeigen auch, dass sie genauer und zuverlässiger sind. Wenn Sie ein Handgelenkgerät bevorzugen, sollten Sie darauf achten, es beim Messen auf Herzhöhe zu halten. Wird das Gerät zu niedrig gehalten, verfälscht es die Werte. Dann sind sie höher.

FITBOOK hat einige Blutdruckmessgeräte verglichen:

Erfinder der Blutdruckmessung war übrigens der italienische Kinderarzt Scipione Riva-Rocci (1863 – 1937). Während er sich vor 120 Jahren noch mit einem Fahrradschlauch den Arm band, gibt es heute Manschetten mit Klettverschluss. Dies gehört zu jedem zuverlässigen Gerät. Sie müssen es bis zu dem Punkt aufblasen, an dem die Arterie eingeklemmt ist und kein Blut mehr fließen kann. Dann die Manschette langsam entleeren. Sobald der Druck abfällt, kann das Blut wieder fließen. An dieser Stelle wird der systolische Druck angezeigt. Dies ist der höchste Wert. Nach einer weiteren Phase des Druckabfalls wird der zweite Wert, der diastolische Wert, gemessen. Dies geschieht während der Entspannungsphase des Herzens.

Interessanter: Wie viel Kaffee ist bei Bluthochdruck sinnvoll und wie viel schädlich

Bluthochdruck diagnostizieren: Welcher Arzt hat Recht?

Bei Verdacht auf Bluthochdruck sind Hausärzte meist die erste Anlaufstelle. Sie diagnostizieren Bluthochdruck und legen dann die Art der Therapie fest. Je nach Befund kann es sinnvoll sein, einen Internisten, Kardiologen (Herzspezialisten) oder Nicht-Prochologen (Nierenspezialisten) aufzusuchen. Die Zusatzqualifikation Hypertoniker ist noch relativ neu. Das sind von der Deutschen Hochdruckliga (DHL) eingeführte Ärzte mit spezieller Bluthochdruck-Ausbildung.

Quellen