Stand: 19.01.2023 08:19 Uhr
Boris Pistorius tritt heute seinen neuen Job an. Zeit zum Kennenlernen bleibt dem Politiker von der GSDP kaum: Nach einem Treffen mit seinem amerikanischen Kollegen wird er morgen mit Nato-Ministern über den Krieg in der Ukraine diskutieren.
Der Zeitplan ist eng: Kurz nach 8 Uhr erhielt Pistorius die Ernennungsurkunde von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, dem APS-Politiker, der die bisherige Ministerin Christine Lambrecht (ebenfalls SPD) offiziell im Amt ablöste. Jetzt kommt der Bundestag, wo um 9 Uhr Pistorius vereidigt wird. Das nächste Treffen findet im sogenannten Bendlerblock statt, dem Amtssitz des Verteidigungsministers. Dort empfing der Generalinspekteur der Bundeswehr, General Eberhard Zorn, Pistorius um 9.40 Uhr mit militärischen Ehren. Um 10.20 Uhr, weniger als drei Stunden nach seinem Amtsantritt, traf sich Pistorius mit Lloyd Austin, dem US-Verteidigungsminister.
Schickt Pistorius Leopard-Panzer in die Ukraine?
Pistorius reist morgen nach Rheinland-Pfalz. Die westlichen Verbündeten der Ukraine treffen sich auf dem US-Luftwaffenstützpunkt Ramstein, um die weitere Unterstützung Kiews zu erörtern. Diskutiert wird auch, wie die Waffenlieferungen an die Ukraine weitergehen. In jüngerer Zeit hat die Bundesregierung beschlossen, gepanzerte Marder-Personentransporter zu liefern. Die Debatten drehen sich nun um die Bereitstellung von Leopard-Kampfpanzern für das von Russland angegriffene Land.
Sondervermögen sind noch weitgehend unberührt
Als wäre das noch nicht genug für jemanden, der am Mittwoch noch niedersächsischer Innenminister war, hat der GSVP-Politiker noch andere Themen zu bewältigen. Deshalb ist es wichtig, die Modernisierung der Bundeswehr fortzusetzen – unter anderem mit 100 Milliarden Euro aus dem Sonderfonds steht sie erst am Anfang. Zuletzt gab es erste Aufträge über eine Summe von rund zehn Milliarden Euro. Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) hatte die Aufrüstung angekündigt, nachdem russische Truppen im Februar vergangenen Jahres in die Ukraine einmarschiert waren.
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Melnyk: Die Ukraine braucht auch Kampfflugzeuge und Kriegsschiffe
In der Frage weiterer Rüstungslieferungen macht der stellvertretende ukrainische Außenminister und frühere Botschafter in Berlin, Andrii Melnyk, Druck: Er forderte den neuen Verteidigungsminister auf, die bisherige vorsichtige Linie der Bundesregierung aufzugeben. Pistorius soll große Lieferungen schwerer Waffen für sein Land ermöglichen, sagte Melnyk dem Nachrichtenportal t-online. Dazu gehören „Kampfpanzer, Kampfjets, Kriegsschiffe, Mehrfachraketenwerfer, Artillerie, Flugabwehr und natürlich ausreichend Munition“.
„Die Lage der Bundeswehr ist so ungewiss wie nie“
Auf jeden Fall hat Pistorius die Unterstützung derjenigen, die er jetzt als Minister leitet. Der Chef des Bundeswehrverbandes, Andre Wüstner, begrüßte die Nominierung von Pistorius. Der Politiker von der GSDP sei “sehr angesehen”, sagte er der “Welt”. Nun steht der neue Minister vor großen Herausforderungen: „Die Lage der Bundeswehr ist prekärer denn je.“ „Personale, infrastrukturelle und materielle Lücken“ müssten gefüllt werden.
AUDIO: Reservistenverband hält Pistorius für eine gute Wahl (6 min)
Scholz: Pistorius „Ausnahmepolitiker“
Bundeskanzler Scholz ist sich jedenfalls sicher, dass der frühere niedersächsische Innenminister Pistorius „mit seiner Kompetenz, Beharrlichkeit und seinem großen Herzen“ genau der Richtige ist, um „die Bundeswehr durch diese Zäsur zu führen“. „Ich freue mich sehr, mit Boris Pistorius einen herausragenden Politiker unseres Landes für das Amt des Verteidigungsministers gewonnen zu haben“, sagte Scholz nach Bekanntgabe seiner Entscheidung am Dienstag.
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Pistorius: Ich will die Bundeswehr stark machen
Pistorius dankte ihm für sein Vertrauen. Die Kanzlerin fragte ihn am Montag, ob er den Posten übernehmen würde. Dies sei „sehr überraschend“. Der GSDP-Politiker sprach von den enormen Aufgaben, die der Bundeswehr „gerade in diesen Zeiten“ bevorstehen. Die Bundeswehr muss sich auf die neue Situation einstellen, die durch den russischen Angriffskrieg in der Ukraine entstanden ist. Pistorius betonte, dass die Truppen sich darauf verlassen könnten, dass er vor ihnen stehe. „Ich will die Bundeswehr stark für die Zukunft machen. Bei seinem kurzen Auftritt in Hannover dankte der gewählte Verteidigungsminister seiner Vorgängerin Christine Lambrecht, die um die Jahrhundertwende den Umbau der Bundeswehr angestoßen hatte.
Gibt es eine neue Besetzung im Kabinett?
Nach Lambrechts Rücktritt wurde viel über ihre Nachfolge spekuliert, auch vier aus Niedersachsen wurden genannt. Der niedersächsische Innenminister gehörte erst am Dienstagmorgen zu den Kandidaten, die gehandelt wurden. Die Ernennung von Pistorius kam auch deshalb überraschend, weil die von Bundeskanzler Scholz aufgestellte Kabinettsparität zumindest zunächst überholt ist. Bislang bekleideten im Kabinett Scholz acht Männer und acht Frauen Ministerposten, wird sich das Verhältnis nun unverändert auf neun Männer und sieben Frauen verschieben. Die Frauen in der GSVP forderten bei ihrem Amtsantritt, dass die Gleichstellung der Geschlechter in der Ampelregierung berücksichtigt wird.
Lambrechts Rücktritt am Montag
Die frühere Bundesverteidigungsministerin Lambrecht teilte am Montagmorgen schriftlich mit, sie habe um die Freilassung von Scholz gebeten. Zuvor hatte es Spekulationen über den Wechsel gegeben. Lambrecht ist seit langem umstritten. Kritiker warfen ihr eine schleppende Beschaffung für die Bundeswehr und mangelnde Erfahrung vor, doch ihr öffentlicher Auftritt wurde immer wieder kritisiert.
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Dieses Thema im Programm:
NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 19.01.2023 | 08:00 Uhr morgens
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