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Höhere Mieten ab April: Deckelung fordern

Üblicherweise wird die Vergleichsmiete alle zwei Jahre erhöht. Da das Jahr 2021 pandemiebedingt übersprungen wurde, ist dies nun die zweite Erhöhung innerhalb von nur zwölf Monaten. Der Anstieg ist an die Inflation gekoppelt – und deshalb diesmal besonders stark.

„Wegen dieser Belastung durch hohe Energiepreise kommen jetzt, da die Inflation steigt, höhere Mieten. Es dreht sich, es ernährt sich selbst“, sagt Thomas Ritt, Wohnbauexperte der Arbeiterkammer Wien. “Und wir finden es nicht nur unfair, sondern auch ungerechtfertigt, die Mieten jetzt so anzuheben.”

AK warnt vor Mieterhöhungen

Laut AK steigen die Vergleichsmieten ab April um 8,6 Prozent. Dies entspricht der durchschnittlichen Jahresinflation. Die Arbeiterkammer warnt vor einem massiven Anstieg der Mieten.

Spielraum für Steigerungen nur noch um zwei Prozent

Die Arbeiterkammer drängt auf eine vorübergehende generelle Deckelung aller Mieterhöhungen in Österreich. „Zwei Prozent als Mieterhöhung halten wir für absolut ausreichend“, sagte Ritt im Interview mit dem ORF in Wien. Bis zur “großen Mietrechtsreform” sollen die Mieten nur einmal im Jahr und nur um zwei Prozent erhöht werden. Die Mietrechtsreform steht zwar auf der Agenda der Regierung, ist aber leider noch nicht in Angriff genommen worden.

Hauseigentümer argumentieren mit Wartungskosten

Der Österreichische Haus- und Grundeigentümerverband sieht die Situation natürlich anders. Dabei handelt es sich nicht um eine Mieterhöhung, sondern um eine Wertberichtigung. „Das ist notwendig, weil ich Miete benötige, um Instandhaltungen sowie andere Instandsetzungsarbeiten, Investitionen ins Haus und dergleichen zu erledigen“, betonte Präsident Martin Prunbauer. „Wenn ich das ausdünne, wird es immer schwieriger – und ich glaube, niemand will, dass die schönen Gründerzeithäuser hier stark zurückgehen.“

Arbeit widerspricht: Wartungs- und Reparaturarbeiten können aus der Mietrücklage bezahlt werden. Nach eigenen Berechnungen wären dies österreichweit rund 5,5 Milliarden Euro. Die Rücklage besteht aus den Mieteinnahmen der letzten zehn Jahre abzüglich der bereits getätigten Investitionen in die Immobilie.

Ludwig fordert eine Regulierung auf Bundesebene

Nicht alle Richtmieten gelten für den klassischen Altbau. Von den rund 250.000 Wohnungen in Wien mit Referenzmiete befinden sich 100.000 in städtischen Gebäuden. Wie also wird die Stadt Wien die Zunahme des eigenen Wirkungskreises bewältigen? Schließlich sollen die Mieten nicht steigen.

Darauf angesprochen verwies Oberbürgermeister Michael Ludwig (SPÖ) auf die Bundesregierung: „Ich denke, es wird notwendig sein, bundesrechtliche Regelungen zu treffen“, sagte der Bürgermeister. Betroffen ist nicht nur das Wohnungssegment, sondern auch die Mietkategorie.

In Graz wurde die Richtmieterhöhung von sechs Prozent im Vorjahr gestoppt – nicht in Wien. Auch das Büro der Grazer Bürgermeisterin Elke Karr (KPÖ) hofft im April auf ein Einlenken der Bundesregierung. Geschieht das nicht, könnten auch in der steirischen Landeshauptstadt die Mieten erhöht werden – allerdings nicht um 8,6 Prozent.