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Erstellt: 19.01.2023, 17:00 Uhr
Von: Tina Waldek
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Der Rücktritt von Christine Lambrecht wirft bei Markus Lanz (ZDF) Fragen auf. Wie wichtig ist Kompetenz in der Politik?
Hamburg – Warum nehmen Menschen in der Politik so oft Positionen ein, von denen sie wenig oder gar keine Ahnung haben, fragt Markus Lanz im ZDF. Was ist mit den politischen Implikationen in Deutschland: rhetorisches Essen von Argumenten ohne Handlungsfähigkeit? Anton Hofreiter (Bundestags-Grünen-Politiker), Julia Löhr (FAZ-Wirtschaftsexpertin), David Dresen (Klimaaktivist) und Stammgast Robin Alexander (stellv. WELT-Chefredakteur) diskutieren über widersprüchliche Parteilogik.
“Minister und Kanzler sind wichtig, aber” die Verwaltung in Berlin überlebe ein paar Tage, wenn alle Regierenden beim Weltwirtschaftsforum in Davos seien, erklärt Anton Hofreiter gewohnt trocken. Davos, das bei den “sehr reichen und sehr wichtigen” international eigentlich “nicht mehr beliebt” ist, oder denen, die sich zumindest so fühlen wollen – die Ampelkoalition hängt damit, wie in vielen anderen Dingen, etwas hinterher.
Markus Lanz ging es am Mittwoch im ZDF um die Besetzung der Ampelregierung. Nach dem Rücktritt von Christine Lambrecht stellte sich die Frage der Handlungskompetenz. © Screenshot/ZDF
Markus Lanz (ZDF) Panzerdiskussion: Scholz richtet „riesigen Kollateralschaden“ an
Und selbst in Davos kam von Olaf Scholz nichts – über Kampfpanzer für die Ukraine. Die Kanzlerin verstecke sich “zu oft hinter den Amerikanern”, sagt Anton Hofreiter. Im Falle eines Krieges vor Europas Haustür müssten die europäischen Länder auch „um ihre eigene Sicherheit“ ringen. Der Leopard 2 ist ein in Deutschland hergestellter europäischer Kampfpanzer, also hat Deutschland hier “das Sagen”.
Markus Lanz findet einen „pikanten Vorwurf“, Anton Hofreiter will aber nicht von Schuldzuweisungen sprechen: Er sieht nur übertriebene Vorsicht vor möglichen Eskalationen und strategischen Fehleinschätzungen in einer Regierung, in der „alles unter Druck“ und nichts unter dem Eindruck der Eigenständigkeit passiert Wille.
Deutschland stimme sich mit seinen politischen Verbündeten ab, erklärt Julia Löhr, auch wenn sie “Scholz nicht versteht”. Großbritannien, Polen und Finnland gehen derweil tatkräftig voran und der Bundeskanzler steht ständig unter Druck: Für ihn sei das aber „kein untypisches Verhalten“. Robin Alexander ist bei Markus Lanz (ZDF) eher ein Mann für klare Worte, weil er der Meinung ist, dass Deutschland Kampfpanzer liefern sollte und „das hätten wir schon längst tun sollen.“ Nur weil „Waffen liefern macht man nicht Sie ein Militärland”, erklärt er. Olaf Scholz habe ein “politisches Konto”, das “enorme außenpolitische Kollateralschäden” anrichte.
ZDF: Kritik an Habeck von Markus Lanz
Bei dieser verfehlten Strategie wurde nun Christine Lambrecht abgelöst und kurz vor dem wichtigen Treffen in Ramstein: Das sei „offensichtlich krass“ und „spreche für sich.“ Zurück in Davos sagte Robert Habeck, die Nachfolge sei nun Sache der SPD. „Der Mann ist Vizekanzler“, sagt Robin Alexander von Markus Lanz (ZDF). Anstatt dass sich Führungskräfte untereinander austauschen, wird Verantwortung abgeschoben. Auch Robert Habeck sagte, er gehe von einer paritätischen Kabinettsparität aus: “Auch das spricht Bände für die Ampelkoalition.”
„Auch die Zeit schreit“, bricht Anton Hofreiter eine Kopie an seinen Parteikollegen. Der Angriffskrieg in der Ukraine, “eine nicht zu unterschätzende wirtschaftliche Problemlage” und eine Energiekrise seien “viel besser bewältigt worden, als viele es noch vor wenigen Monaten erwartet hätten”. Man müsse „eine gewisse Gelassenheit entwickeln“, „dass es unter solch extremem Druck vielleicht nicht immer rund läuft.“ Auch Vereinbarungen kosten Zeit, Kraft und Mühe – und in diesem einen Jahr „hat diese Regierung weitere Gesetze und Vorschriften geschmiedet“ als “die letzten fünf Legislaturperioden” insgesamt .
Politiker (Die Grünen) Journalist (FAZ) Journalist (Welt) Klimaaktivist
Markus Lanz im ZDF: Diskussion um Ampelübernahme nach Lambrechts Rücktritt
Das bei der Wahl 2020 gegebene Versprechen, dass mindestens die Hälfte des Bundeskabinetts aus Frauen bestehen soll, sei allerdings gebrochen worden, beharrt Robin Alexander, weist aber auch auf die Absurdität dieser Parität hin: Warum nur gleich viele Männer und Frauen, warum nicht gleich viele Menschen mit Sekundarschulbildung und kaufmännischer Ausbildung? Quoten, Parteiflügel, Regionaltarife: „Damit sichern Sie sich ab.“ Anton Hofreiter „sieht sich links von den Grünen, Cem Özdemir hat Recht“.
Als Cem Özdemir Ernährungs- und Landwirtschaftsminister wurde, schied „Frau Göring-Eckard als Familienministerin aus“, da sie ebenfalls „rechts in grünen Kreisen positioniert“ sei und die Partei Anne Spiegel „links in grünen Kreisen“ gewählt habe. Und auch das „ging nicht gut”, kritisiert Robin Alexander vehement. „Das ist Politik”, sagt diesmal Julia Löhr, die als einzige Frau in der Fraktion von Markus Lanz (ZDF) ebenfalls in einer schwierigen Lage ist, lapidar : Die Gleichung der Gleichheit ist immer noch schwer zu berechnen.
Markus Lanz spricht im ZDF über die Nachfolge von Christine Lambrecht
Und Personalpolitik gelte nicht nur für Unternehmen, erklärt Anton Hofreiter nüchtern. Für die CDU/CSU ist es wichtig, dass Niederbayern und Oberbayern paritätisch in der Partei vertreten sind, und für die Grünen, dass Männer und Frauen gleichberechtigt sind: Das sind Grundwerte in der Partei, die auch in Zeiten von nicht unwichtig sind Krieg.
Und natürlich stellt sich jetzt die Frage, warum Eva Högl, die sich seit Jahren mit der Bundeswehr beschäftigt und für Parität gesorgt hätte, nicht Verteidigungsministerin wurde, statt Boris Pistorius, der zwar nicht als Militärexperte bekannt ist, aber doch erst seit Jahren Achtung im Rahmen der SPD.
Wechsel vom Vertretungsprinzip zum Vertretungsprinzip der SPD? Schließlich ist er der Mann, der jetzt verhandeln muss, welche Lieferungen die Ukraine bekommt und wie sich strategische Maßnahmen ändern. Auch hier ist ein großer Vertrauensvorschuss für ein zerbrechliches Fundament erforderlich. (Tina Waldeck)
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