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Die Parteien bereiten sich auf Gespräche vor – noe.ORF.at

Ein neuer Wind weht um St. Pöltner Landhaus nach der Landtagswahl am Sonntag: Nach dem schwächsten Ergebnis seit 1945 braucht die ÖVP erstmals einen „richtigen“ Partner, schließlich hat die ÖVP nicht nur keine Mehrheit im Landtag, sondern aufgrund des Verlustes zwei Regierungssitze einschließlich derjenigen in der Landesregierung.

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Am Mittwoch trifft Mickle-Leitner deshalb mit FPÖ-Landesvorsitzendem Udo Landbauer, dem designierten SPÖ-Landesparteivorsitzenden Sven Hergović und Grünen-Landessprecherin Helga Krismer zusammen. Ein Gespräch mit der NEOS-Spitzenkandidatin Indra Kolini steht an. Nach Angaben des Gouverneursamtes werde es darum gehen, “Graben zu füllen”. Die eigentlichen Verhandlungen sollen erst Mitte Februar beginnen.

“Ich werde auf Augenhöhe verhandeln”

Der ÖVP-Klubobmann Klaus Schneeberger wird dem künftigen Landtag zwar nicht mehr angehören, aber im Auftrag der Volkspartei die Verhandlungen führen. Diese Verhandlungen sollen nach den Semesterferien beginnen. „Es wäre zweifelhaft, jetzt Konkretisierungen zu treffen“, sagte Schneiberger gegenüber noe.ORF.at: „Wir sind jetzt in einer Situation, in der wir eine Betriebsvereinbarung brauchen. Deshalb werden wir mit anderen Ländern auf Augenhöhe verhandeln. Natürlich müssen wir sie ansprechen.“

Die ÖVP strebt eine Regierungseinigung mit FPÖ und SPÖ an. Die Freiheitlichen werden künftig mit drei und die Sozialdemokraten mit zwei Vertretern in der Verhältnisregierung vertreten sein. Schneeberger selbst betont, dass mit dem FPÖ-Chef Landbauer ein positives Gesprächsklima herrscht und auch mit besagtem SPÖ-Chef Hergovich während seiner AMS-NÖ-Führung eine gute Zusammenarbeit bestand.

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Spekulationen über mögliche Ernennungen äußerte sich Schneiberger nicht – die ÖVP verlor zwei Regierungssitze. Auch zur Frage, ob die ÖVP Landwirte als Landeshauptmann-Stellvertreter wählen wird, äußerte er sich nicht, zumal damit die Wahl von Mikl-Leitner zum Landeshauptmann ausgeschlossen sei. Per Gesetz hat die FPÖ aber einen solchen Abgeordneten, der mit einfacher Mehrheit gewählt werden muss.

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Im Grunde sind die Schilder immer noch schwarz-rot. Die Präferenz in der Volkspartei war auch am Wahlabend noch deutlich in Richtung Sozialdemokratie. Dass Hergovich, der AMS-Chef aus Niederösterreich, am Montagabend das Ruder in der Roten Landespartei übernahm, dürfte nicht schaden – die Chemie zwischen dem 34-Jährigen und Mikl-Leitner scheint zu stimmen. In seiner Funktion als AMS trat er in der Vergangenheit bereits mehrfach gemeinsam mit dem Landeshauptmann auf. Sie waren immer auf der gleichen Seite.

Vorsorglich zog Hergovich bei den Gesprächen am Dienstag den Stecker. So brauche es zum Beispiel mehr Investitionen im ländlichen Raum oder „endlich“ ganztägige kostenlose Betreuungsplätze ab einem Jahr, sagte er im Interview mit Niederösterreich heute. Weitere Baustellen sind die Themen Wohnen und Verbesserungen im Gesundheits- und Pflegesystem.

Die FPÖ ist gesprächsbereit

Auch Landwirte positionierten sich am Dienstag: Er “wird keinen Zentimeter vom Schulterschluss mit der Bevölkerung weichen”. Als Partner kommen laut Landbauer nur diejenigen in Frage, die bereit sind, kostenlose Inhalte bereitzustellen. Schließlich sei er “in der Stimme der Wähler”. Er will sich aber nicht in „Koalitionsverhandlungen“ einsperren lassen. Die Liberalen sind jedenfalls gesprächsbereit.

Die Grünen ihrerseits warnten wegen einer möglichen Landbauer-Landtagswahl vor einer “Verfassungskrise” und forderten ein Ende der Proporzwahl – mehr dazu in Landtagsfreie Wahl wirft Schatten (nicht .ORF.at; 31.01.2023).