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Die Parlamentarier verrieten die doppelte Staatsbürgerschaft nicht

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Daniel Jozic besitzt die kolumbianische Staatsbürgerschaft, hat dies aber auf der Website des Parlaments nicht angegeben.

Über die doppelte Staatsbürgerschaft sind schon einige Politiker gestolpert. Zuletzt für den SVP-Bundesratskandidaten Michel Blöhliger (55). Entgegen ihrer ursprünglichen Aussage hatte sie die doppelte Staatsbürgerschaft – und zog sich sofort aus dem Rennen im Bundesrat zurück, als sie ihre eigene Aussage korrigieren musste.

An sich ist es gar kein rechtliches Problem, mehrere Pässe zu besitzen und damit im Schweizer Parlament zu sitzen. Politisch steht das Thema jedoch erneut zur Diskussion. Der Präsident der SVP-Partei, Marco Chiesa (48), forderte in einer parlamentarischen Initiative, dass Bundesräte keine Zweitbürgerschaft haben sollen. Die Initiative ist gescheitert.

Neue Regeln ab 2022

Aber es gelang ihm, eine Mehrheit für seine andere Initiative zu gewinnen. Seit letztem Sommer müssen alle Abgeordneten ihre doppelte Staatsbürgerschaft erklären, falls sie eine haben.

In einem solchen Fall müssen die Volksvertreter selbst diese Informationen in ihrem Profil auf der offiziellen Website des Parlaments angeben.

Ein Blick auf die Seite zeigt jedoch, dass gerade die Linke dieser Verpflichtung noch nicht nachgekommen ist. Etwa SP-Co-Vorsitzender Cedric Vermuth (36) oder Grünen-Stadträtin Lisa Mazzone (34). Beide haben vergessen, ihre italienische Staatsbürgerschaft anzugeben. Auch GLP-Nationalrätin Judith Belais (51) verrät nicht, dass sie noch einen französischen Pass hat, Sibel Arslan (42) gibt nicht an, dass sie neben dem Schweizer noch einen türkischen Pass hat. Auch SP-Landesrat Daniel Josic (57) hielt es nicht für nötig, seine doppelte Staatsbürgerschaft (Kolumbien) zu erklären.

“Es ist mir völlig entgangen”

Chiesa hat wenig Verständnis für dieses Verhalten: «Ich sehe nicht, welches Problem ein Parlamentarier haben kann, seine Nationalität transparent offenzulegen», sagte der SVP-Präsident gegenüber Blick.

Die befragten Parlamentarier sprechen nicht darüber, wie man da rauskommt. Alle geben offen zu, dass sie die Frage vergessen haben: „Daran habe ich einfach nicht gedacht“, sagt zum Beispiel Wermuth. Er besitzt die italienische Staatsbürgerschaft und hat nicht die Absicht, darauf zu verzichten.

Mazzone sagt auch, sie habe das Formular übersehen, und Bellaiche sagt: „Das habe ich total übersehen, oder eher gedacht, ich hätte es vor langer Zeit getan.“ Nach der Anfrage von Blick wollen alle sofort ihr Profil korrigieren und ihre Nationalität angeben.

Cassis schaffte es ohne doppelte Einreichung

Doch nicht alle Doppelbürger im Parlament waren so vergesslich: Yvette Estermann (SVP, 55) reklamierte die slowakische Staatsbürgerschaft, Grünen-Fraktionschef Alin Trede (39) für ihren deutschen Pass.

Besonders vor der Wahl von Bundesrat Ignazio Cassis (61) war die Doppelbürgerschaft von Regierungs- und Parlamentsabgeordneten viel diskutiert worden. Der damalige Kandidat und jetzige Außenminister verzichtete freiwillig auf seine italienische Staatsbürgerschaft. (Sie)

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