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Britischer Handel mit der EU: Brexit ist vorbei

Stand: 31.01.2023 14:15 Uhr

Für britische Unternehmen bedeutet der Brexit oft höhere Kosten, mehr Bürokratie und schlechtere Geschäfte. Deshalb schloss der Engländer Mike Kelly seine Firma und startete mit 62 Jahren neu – in Deutschland.

Von Imke Köhler, ARD Studio London

Am Montagmorgen hieß es Abschied nehmen. Ein Nachbar kam zur Haustür, um Mike Kelly alles Gute zu wünschen. Kelly kehrt an diesem Tag, dem 30. Januar, England den Rücken.

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Statt 70 kostet das Paket 400 Euro

Als Inhaber von Focus Metals OOD ist der Diplom-Ingenieur bisher sein eigener Chef. Unter anderem war er für vier deutsche Unternehmen in Großbritannien, den USA und Mexiko tätig und handelte mit kleinen Röhrchen und feinsten Röhrchen, die für die Herstellung von Medizinprodukten, in der Automobilindustrie und in der Luft- und Raumfahrtindustrie benötigt werden.

Der Brexit war ein echter Schlag für die Briten. „Für mich bedeutete das, dass die Kosten sprunghaft angestiegen sind“, sagt Kelly. Zum Beispiel kostet das Versenden eines Pakets, das früher 70 € gekostet hat, jetzt über 400 €. Der Verwaltungsaufwand von Logistikunternehmen wird bezahlt, außerdem fallen Gebühren an. „Das nennt sich Brexit-Zuschlag.

Der Umsatz ging zurück

Gleichzeitig verlor Kelly Aufträge. Der Brexit kostet ihn 10 bis 15 Prozent seines Umsatzes, sagt er. Verluste, die er nicht wettmachen konnte, weil viele Unternehmen ihre Geschäfte in die EU verlagerten.

Als Folge des Brexit funktionierten die Lieferketten nicht mehr, und in der Folge auch Kellys Handel. Sein eigenes Geschäft lief so schlecht, dass er Teilzeit in Supermärkten arbeiten musste. An drei Tagen in der Woche – auch am Wochenende – füllte er die Regale bei Marks & Spencer und Sainsbury’s bis spät in die Nacht. “Es sollte mir helfen, den Brexit-Schock zu überwinden”, sagt er.

Die Folgen sind erst jetzt in der Realität zu spüren

Aber er hat diesen Kampf verloren. Inzwischen steht nicht nur seine Firma auf dem Spiel, sondern auch seine Ehe. Die zusätzliche Belastung, die der Brexit mit sich brachte, war zu viel für das Paar. Jetzt steht die Scheidung bevor, das Haus steht zum Verkauf, die Firma „Focus Metals“ befindet sich in Liquidation.

Kelly befürchtet, dass andere dasselbe Schicksal erleiden werden wie er. „Mit der Pandemie, in der jeder 80 Prozent seines Lohns als kurzfristige Leistungen erhielt, hat der Brexit Großbritannien überhaupt nicht wirklich getroffen“, glaubt er. Erst jetzt würden die Konsequenzen wirklich zu spüren sein.

Wie viele Unternehmen durch den Brexit pleite gegangen sind, kann die britische Handelskammer nicht sagen. Allerdings handeln laut einer Umfrage 61 Prozent der befragten Unternehmen weniger oder sogar deutlich weniger mit der Europäischen Union, 14 Prozent haben den Handel mit der EU überhaupt eingestellt.

Neuer Job, bald neuer Pass

Im Alter von 62 Jahren begann Kelly ein neues Leben. Er geht nach Deutschland. Er wurde Vertriebsleiter bei dem mittelständischen Unternehmen Eugen Geyer, für das er bereits in der Vergangenheit tätig war. Morgen ist sein erster Arbeitstag. Außerdem will er demnächst einen deutschen Pass beantragen. Da er eine deutsche Mutter hat, sollte das kein Problem sein.

Mike Kelly hatte sich die letzten Jahre vor seiner Pensionierung ganz anders vorgestellt. Er ist jedoch dankbar, dass er noch Arbeit finden kann. Und nach allem, was für ihn in England schief gelaufen ist, will er auch einen echten Neuanfang.

Mit dem Brexit kam das Ende – sagt ein britischer Händler

Imke Köhler, ARD London, 31. Januar 2023, 09:59 Uhr.