Germany

Donaumarathon: Schwimmprofessor und Hevesler gegen Mikroplastik

Mikroplastik ist überall. Mit seinem „Marathon“ über die Donau will „Schwimmprofessor“ Andreas Fat „die Gesellschaft erreichen“, um sie auf die Bedrohung durch kleine Plastikpartikel aufmerksam zu machen, darunter Schadstoffe wie PCB, Blei und Chrom. Bei einem Stopp am heutigen Freitag trat er am Donaukanal bei einem Medientermin mit Klimaschutzministerin Leonore Gevesler (Grüne) auf. Dort stellte sie ihren Aktionsplan gegen das Problem vor.

„Wasser ist das wertvollste Darlehen der Natur“, lautete die Botschaft von Fat, der für die Aktion „Saubere Donau“ am 19. April stromabwärts reist. Letzten Montag war er zu Gast in Linz, heute in Wien bekräftigte er noch einmal, dass er die unglaublichen 4,2 Tonnen Mikroplastik hat, die jeden Tag entlang der 2.850 Kilometer langen Donau ins Schwarze Meer fließen. Doch die Reise zu den Meeren und Ozeanen ist nicht das Ende der Reise, denn dort landen die Partikel in Fischen und Krebsen und von dort zurück zum Erzeuger, dem Menschen: so der Uni-Chemieprofessor.

Das Essen von Plastikpartikeln ist jedoch nur ein Problem, wie Fat anhand eines mit Stiften besetzten Tennisballs erklärt. Nadeln stehen stellvertretend für Schadstoffe, Hormone oder Medikamente, die sich an die Partikel binden und sie dann in einen „Trojaner“ verwandeln, erklärte der Schwarzwälder. Laut Umweltministerin Gevesler symbolisiert die Donau das Problem „Mikroplastik, betrifft uns aber in ganz Europa, weltweit“ für ein globales Plastikabkommen, unter dem die UN-Umweltversammlung (UNEA) Anfang März erste konkrete Gespräche in Nairobi aufgenommen hat

Umstellung der Klärschlammbewirtschaftung

Für Österreich hat sich eine wesentliche Änderung in der Klärschlammbewirtschaftung ergeben. Da Mikroplastik auch im Klärschlamm zu finden ist, soll es in Zukunft nicht mehr in der Natur vorkommen. Auch die Umstellung auf Mehrwegflaschen und die Einwegdeponierung auf Plastikflaschen gehört zu den Gegenmaßnahmen, und auf EU-Ebene soll durch das europäische Chemikalienrecht dafür gesorgt werden, dass Mikroplastik nicht in Wasch- und Reinigungsmitteln, Düngemitteln oder Kosmetika enthalten ist.

Allein in diesem Jahr stünden 31 Millionen Euro für Forschungsprojekte von Unternehmen zur Verfügung, wenn sie Alternativen aus biologischen Materialien anstelle von Plastik verwenden, so Gevesler weiter. Generell brauche es ein “besseres Verständnis dafür, wo die Vermeidungshebel anzusetzen sind”. So unterstützt das Klimaministerium beispielsweise das Projekt „microplastic@food“, das den Nachweis von Mikroplastik in Lebensmitteln zum Ziel hat.

Auch das neue Bündnis ohne Mikroplastik will Teil der Lösung sein, Wissenschaft, NGOs, Wirtschaft und Industrie wollen „Konzepte für eine Zukunft ohne Mikroplastik entwickeln“. „An erster Stelle steht die Sensibilisierung“, sagt Bündnispräsident Hubert Seiringer vom Kompost- und Biogasverband Österreich, „denn es macht nichts, wenn ich die unterschiedlichen Wege von Mikroplastik ignoriere.“ Allerdings muss auch bewusst ein Masterplan entwickelt werden, wie beispielsweise der Einsatz von Plastik im Vorfeld verhindert werden kann. Kunststoffe haben im wahrsten Sinne des Wortes die Welt erobert: „Heute gibt es keinen Kubikmeter Land oder Liter Wasser, der garantiert kein Mikroplastik enthält“, sagt Seiringer.

(SERVICE – Bündnis “ohne Mikroplastik”, Projekt CleanDanube)