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Österreichischer Bundeskanzler unter Druck: Nehamer stellt Kabinett wieder her – dpa

In Österreich gibt es einen großen Umbau im Regierungsteam der konservativen ÖVP. Am Dienstag stellte Bundeskanzler Karl Nehammer den ÖVP-Landwirt Norbert Totschnig als neuen Landwirtschaftsminister vor.

Am Tag zuvor hatte Elizabeth Koestinger ihren Rücktritt angekündigt. Auch Wirtschaftsministerin Margarete Schrambyok trat am Montag zurück. Ihre Aufgaben übernimmt Arbeitsminister Martin Kocher, wodurch sein Kompetenzfeld deutlich erweitert wird.

Nehamer betonte, dass die Koalition aus ÖVP und Grünen verschiedene Herausforderungen bewältigen müsse, etwa die Folgen des Krieges in der Ukraine und die Inflationswelle. „Ich bin überzeugt, dass diese Regierungsmannschaft gut abschneiden wird“, sagte er der ÖVP-Parteiakademie.

ÖVP im Krisenmodus

Die Rücktritte von Ministern haben Nehamer unter Druck gesetzt, weil er am Samstag auf einem Parteitag zum Vorsitzenden der ÖVP gewählt werden soll. Überschattet wurde die Wahl nicht nur von personellen Veränderungen, sondern auch von sinkenden Umfragewerten und Korruptionsermittlungen. Neben Vorwürfen gegen den im vergangenen Jahr zurückgetretenen Altkanzler und ehemaligen Parteichef Sebastian Kurz gab es im westlichen Bundesland Vorarlberg eine mutmaßliche Affäre um Parteiwerbung. Staatschef Marcus Wallner (ÖVP) bestätigte am Dienstag die Ermittlungen der Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft gegen ihn.

Im Zuge der Neuordnung der Regierung hat Nehammer auch zwei Sekretariate eingerichtet: Die Hotelbesitzerin und Wirtschaftskammersprecherin Suzanne Kraus-Winkler leitet künftig den Tourismus, der Tiroler Florian Turski die Digitalisierung.


Die Grünen, die seit 2020 die ÖVP regieren, haben sich zu den Wechseln zu den Konservativen nicht geäußert. Die Opposition forderte ihrerseits Neuwahlen.