„Ich muss Sie enttäuschen, ich werde heute nicht singen!“ So begrüßte Kulturreferentin Veronica Kaup-Hasler (SPÖ) die Gäste auf dem vollbesetzten Rathausplatz. Nach Jahren der Pandemie-Einschränkungen kommen sie „zurück“ und wollen das mit einer großen Show feiern. Diese Stadt kann! Wir haben Erfolg! Wir wollten für euch alle die Arme ausbreiten.“ Das war die einzige Rede des Abends. Außerdem gab es überhaupt keine Moderation – und das hat super funktioniert.
In diesem Jahr war David Schalko für das Konzept und die Produktion verantwortlich, die Kruder & Dorfmeister als Musikdirektoren gewinnen konnten. Sie kletterten auf den Plattenteller auf der Bühne, der an eine große Folienröhre erinnert, in deren Mitte eine Kugel eingelassen ist, und erfüllten den Rathausplatz mit einem Sound, der alle schmückte. Dazu kamen die versprochenen „dicken Visuals“ von „hand mit auge“. Die gesamte Fassade des Rathauses wurde grafisch in Szene gesetzt und vorübergehend in ein Geisterschloss verwandelt. Dass es einstürzte oder in Flammen aufging, war angesichts des wahren Krieges, der mehrere hundert Kilometer von Wien entfernt herrschte, vielleicht nicht die glücklichste Wahl der Malerei.
Das Konzept von „Last Night on Earth“ kam jedoch etwas überraschend. Caroline Peters, die mit einer Performance nach der 1909 erschienenen Science-Fiction-Kurzgeschichte The Machine Stops von EM Forster im Festivalprogramm vertreten war, präsentierte das Thema in mehreren Performances im Spider-Woman-Kostüm: Rockets Are There zielten auf uns , die Menschheit wird in wenigen Minuten Geschichte sein. “Das ist deine letzte Nacht auf Erden: Traum!” Flucht statt Call-to-Action? Sich dem Schicksal ergeben, anstatt alles zu tun, um das Schicksal zum Besseren zu wenden? Gut, dass diese Botschaft nicht wirklich gehört wurde, schon weil sie von lauter Musik übertönt wurde.
Künstlerisches Beiwerk blieben die experimentierfreudige Sängerin Sofia Jernberg mit einem Mini-Auftritt und die Band Liquid Loft mit einem Live-Bild. Den Ton gaben Kruder & Dorfmeister, Bilderbuch mit einer kraftvollen 15-minütigen Performance und Rapper Yung Hurn an. Der wegen seiner Texte umstrittene Musiker trat elegant in Anzug und Krawatte auf und wurde von der Wiener Sinakademie begleitet. Textzeilen wie “Und ich fahre nachts und ich fahre” durch die Stadt “(“Ferrari”) oder “Dein Körper, mein Körper”(“Diamant”) scheinen nicht besorgniserregend, aber unter den begeisterten Fans gab es sie ein Plakat gegen Sexismus.
Am Ende zündeten die Zeitpläne die Raketentriebwerke und errichteten das Rathaus am Nachthimmel, erleuchtet von Mond und Sternen. Und wäre da nicht „Last Night on Earth“, warten bis 18. Juni insgesamt 37 Wiener Festwochen-Produktionen auf ihr Publikum. Für die geplanten 159 Vorstellungen werden rund 36.000 Karten zur Verfügung stehen.
Von Wolfgang Huber-Lang / APA
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