Bundeskanzler Nehamer sollte in aller Ruhe beim russischen Präsidenten vorbeischauen. Abgesehen von einigen innenpolitischen Punkten kann er von solchen neutralen Positionen nichts erwarten.
Wladimir Putin darf sich in diesen Tagen über jeden europäischen Politiker freuen, der ihn in Moskau besucht oder mit dem er telefonieren kann. Auf diese Weise kann der Kremlkommandant sich und seine Landsleute täuschen, Russland sei nicht so isoliert. Er freute sich sicher auch über den Besuch des österreichischen Bundeskanzlers.
Es wäre unfair, Karl Nehamer ungerechte Motive vorzuwerfen. Er ist zweifellos davon überzeugt, dass es wichtig ist, einen offenen Kommunikationskanal mit Putin zu pflegen und zu versuchen, zumindest einige Fortschritte zu erzielen, beispielsweise beim Austausch von Kriegsgefangenen. Leider sind keine wundersamen Durchbrüche zu erwarten. Der österreichische Bundeskanzler spielt im aktuellen geopolitischen Drama eine so unangemessene Rolle, dass er ihm nichts anhaben kann. Das eröffnet Freiheit. Der Nutzen solcher diplomatischer Hinterlegungen hält sich jedoch in mikroskopischen Grenzen. Nehamer will wohl sowieso vor allem auf dem Land punkten. Sonst hätte er nicht unmittelbar nach seinem Telefonat mit Putin auf einer Pressekonferenz gesprochen.
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