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Gipfel: G-7 verhandelt mit Selenski

Bereits am Sonntag forderte Selenskyj erneut mehr Militärhilfe für sein Land. Die Ukraine ist derzeit stark in ihrer Verteidigungsposition, da westliche militärische Ausrüstung und Munition zu langsam und in zu geringer Zahl eintreffen, um eine Wende im Krieg zu ermöglichen. Selenski wird von den westlichen Industrieländern deutlich mehr fordern. Ob er den sieben Industrienationen überraschende Zugeständnisse entreißen kann, bleibt abzuwarten.

Umgekehrt stellt sich die Frage, ob der Westen bald Druck auf Kiew ausübt, Verhandlungen mit Russland aufzunehmen, selbst wenn dies zu großen Gebietsverlusten führen wird. Die Existenz dieser Tendenzen und Befürchtungen zeigt sich in dem Aufruf des britischen Premierministers Boris Johnson an den Westen, an seiner einheitlichen Linie gegenüber Russland festzuhalten. Denn ein russischer Sieg wäre viel teurer als eine durch hohe Energiepreise schnell steigende Inflation im eigenen Land.

Erweiterter Kreis

Nach einem Telefonat mit Selenskyj lud Bundeskanzler Olaf Scholz als Gastgeber die Staats- und Regierungschefs von fünf Ländern zu den Gesprächen ein: Indien, Indonesien, Südafrika, Senegal und Argentinien. Die größere Gruppe wird unter anderem über die Klimakrise sowie Energiesicherheit und Gesundheitsfragen diskutieren.

Debatte

Was kann Russland zum Frieden führen?

Ölpreisobergrenze als Thema

Insbesondere mit Indien besteht die Möglichkeit, den Preis für russisches Öl zu begrenzen. Die Verhandlungen mit den G-7 über neue Sanktionen gegen russisches Gold sind weit fortgeschritten, aber Verhandlungen zur Eindämmung des Ölpreises sind viel komplexer und vielleicht schwieriger, die erforderlichen Länder, insbesondere Indien, anzuziehen. Neben China ist Indien bereits der größte Abnehmer von russischem Öl. Das riesige Land hat auch starke wirtschaftliche Beziehungen mit der EU und den Vereinigten Staaten. Geostrategisch – China sieht Delhi als Bedrohung an – ist Indien auf gute Beziehungen angewiesen, vor allem zu den USA.

Die Ölpreisobergrenze soll einerseits die Kosten des Krieges für Russland durch weniger schnell steigende Einkommen erhöhen und andererseits den Anstieg der globalen Inflation bremsen. Was die praktische Anwendung betrifft, so sind offensichtlich noch viele Fragen offen. Skeptiker warnen jedoch davor, dass Russland sofort reagieren könnte, indem es die Öl- und Gasexporte in den Westen stark einschränkt.

Reuters / Stefan Rousseau Entspannungsübungen zwischen den Verhandlungen zur komplexen Weltlage

Zwischen den Beratungen am ersten Tag gab es am Nachmittag das erste offizielle Gruppenfoto, das durchaus interessant ist – zum einen, weil die Regierungschefs sichtlich gut gelaunt sind, einige von ihnen auf der anderen Seite schließen, weil es vor einer Holzbank aufgenommen wurde, in der der damalige US-Präsident Barack Obama 2015 mit seiner Amtskollegin Angela Merkel saß.

Scholz betont Einigkeit

Bei strahlendem Sonnenschein begrüßten Scholz und seine Frau Britta Ernst ihre G7-Kollegen, zu denen auch Frankreich und Italien gehören, am Sonntagnachmittag auf Schloss Elmau. Bei einem zuvor getroffenen bilateralen Treffen mit US-Präsident Joe Biden betonten die beiden die Einheit der G7 mit Russland.

„Wir sind vereint, wir sind zusammen“, sagte Scholz. Das sei “unsere klare Botschaft” an den russischen Präsidenten Wladimir Putin. “Wir müssen zusammenbleiben”, sagte Biden. Putin hoffte vergeblich, dass “die Nato und die G-7 sich irgendwie trennen würden”.

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Die G7 will mit China konkurrieren

Peinlichkeit des “brutalen Krieges”

Russland müsse nach dem Angriff auf die Ukraine weiter auf die “Entschlossenheit und Einigkeit” der großen westlichen Wirtschaftsmächte der Gruppe der Sieben setzen, sagte die Kanzlerin. Er war entsetzt über russische Raketenangriffe auf die ukrainische Hauptstadt Kiew. Er spricht von einem “brutalen Krieg”, den “Putin führt”. Dies zeige, dass es richtig sei, “die Ukrainer bei der Verteidigung ihres Landes, ihrer Demokratie, ihrer Freiheit der Selbstbestimmung zu unterstützen”.

Um dem wachsenden Einfluss Chinas in Entwicklungsländern entgegenzuwirken, haben sich die G7 zudem auf ein Investitionsprogramm geeinigt.

G-7: Eine Strategie gegen Putin wird gesucht

Auf Schloss Elmau, knapp fünf Kilometer von der österreichischen Grenze entfernt, treffen sich am Sonntag die Staats- und Regierungschefs der G7. Sie wollen Wladimir Putin im Ukraine-Konflikt entgegentreten. Das Goldembargo sollte Russlands zweitwichtigsten Exportartikel treffen, und es sollte finanzielle Hilfen für die Ukraine einleiten. Doch dahinter steht wie so oft die Frage, wie geschlossen der Westen auf den russischen Angriff reagieren wird.

Die Proteste sind deutlich kleiner als erwartet

Bisher spielten Demonstrationen und Proteste von Globalisierungsgegnern und Umweltschützern so gut wie keine Rolle. Ihre Zahl ist deutlich geringer als erwartet und sieht sich einer enormen Sicherheitspräsenz gegenüber. Alle Proteste von München bis Garmisch-Partenkirchen verlaufen bisher überwiegend friedlich. Nach den schweren Ausschreitungen beim G7-Gipfel in Hamburg vor einigen Jahren – Scholz war damals Oberbürgermeister der Hansestadt – ist es der Bundeskanzlerin besonders wichtig, dass dieses Treffen ungestört und ohne Ausschreitungen stattfindet.