Am unteren Ende jedes Haarfollikels befinden sich spezielle Zellen, die eine Schlüsselrolle beim Haarwachstum spielen, sogenannte Papillenzellen. Sie produzieren das Signalmolekül SCUBE3, das benachbarten Haarstammzellen befiehlt, sich zu teilen und Haare wachsen zu lassen. Bei Menschen mit androgenetischer Alopezie produzieren die Papillenzellen zu wenig von diesem Signalmolekül: „Zu verschiedenen Zeitpunkten im Lebenszyklus des Haarfollikels senden die Papillenzellen Signale, die entweder die Follikel ruhen lassen oder neues Haarwachstum auslösen“, erklärt Prof .D-p. Maxim Plikus von der University of California.
Sein Team untersuchte die Funktion von SCUBE3 bei Mäusen und stellte fest, dass es das Haarwachstum stark fördert. Weitere Tests bestätigten, dass dies auch mit menschlichen Haarfollikeln funktionierte: SCUBE3 stimulierte das Haarwachstum sowohl bei ruhenden Menschen als auch bei Tiermäusen, denen menschliche Haarfollikel implantiert wurden. Die Forscher kamen zu dem Schluss, dass das Signalmolekül selbst oder davon abgeleitete Moleküle Kandidaten für ein vielversprechendes Therapeutikum gegen Haarausfall sind. Ihre Ergebnisse werden in der Fachzeitschrift Developmental Cell veröffentlicht.
Derzeit gibt es zwei Medikamente gegen androgenetische Alopezie: Finasterid und Minoxidil. Beide Medikamente sind nicht für jeden wirksam genug und sollten täglich angewendet werden. Daher ist der Bedarf an neuen, wirksameren Medikamenten gegen Haarausfall groß. “Natürlich vorkommende Verbindungen, die von den Papillarzellen selbst verwendet werden, stellen ideale Behandlungskandidaten der nächsten Generation dar”, sagt Plikus.
Quelle: DOI 10.1016/j.devcel.2022.06.005
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