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Karner: Dank des neuen Kodex ist eine Grenzkontrolle möglich

Großer Andrang am Dienstag bei der Eröffnung des neuen Polizeiausbildungszentrums in Koblach: ua Bischof Beno Elbs, Amtsgerichtspräsidentin Angelika Prechtl-Marte, Wilfred Siegel (Leiter der Staatsanwaltschaft), Christian Gantner und Innenminister Gerhard Karner. Letzterer eröffnete schließlich offiziell das Gelände, versprach eine zusätzliche Indoor-Schießanlage und sprach über die aktuellen Herausforderungen für die Polizei. Internetkriminalität ist das am stärksten wachsende Problem, sagt Karner. Zu den neuen Herausforderungen zählt er auch den Kampf gegen Extremismus – und den Kampf gegen Menschenschmuggel.

400 Menschenschmuggler wurden in diesem Jahr bereits festgenommen

In einem Interview mit dem ORF Vorarlberg schätzte er, dass die österreichische Polizei im ersten Halbjahr dieses Jahres 400 Menschenschmuggler festgenommen habe. „Da werden auch große Fische gefangen. Das ist entscheidend, damit wir diese Strukturen aufbrechen können“, betont Karner. Gerade auf der Westbalkanroute gibt es immer wieder vorrangige Aktionen – gemeinsam mit Ungarn und Serbien.

Fotos aus Serbien sorgen derzeit für Aufsehen. Hunderte Migranten knien mit erhobenen Händen auf dem Boden, umgeben von Polizisten. Dort soll auch der serbische Innenminister Aleksandar Vulin gewesen sein. Nach Angaben der serbischen Regierung war die Lage gefährlich – es wurden sogar Waffen beschlagnahmt. Österreichs Innenminister Gerhard Karner will sich nicht in eine Aktion der serbischen Polizei einmischen. „Fakt ist, dass es Bedrohungsszenarien gab. Ich habe keine Ahnung, wie diese Bilder entstanden sind“, sagt er. Laut einem Bericht der Kleinen Zeitung sagte der serbische Innenminister Vulin, Serbien sei “kein Parkplatz für asiatischen Abschaum”. Karner werde diese Aussage jedenfalls beim nächsten Treffen mit Vulin berücksichtigen, sagte Karner dem ORF Vorarlberg.

Ein Sonderstatus für ukrainische Flüchtlinge wird diskutiert

20.920 Menschen haben von Jahresbeginn bis Juni Asyl in Österreich beantragt. Die Entwicklung zum Vergleich: Im Vorjahr waren es 39.930, davor 14.775 (2020), 12.886 (2019) und 13.746 (2018). Insgesamt befinden sich 84.930 Flüchtlinge in Erstversorgung, davon 65 Prozent Menschen aus der Ukraine. Sie sind erst nach dem russischen Angriff in diesem Jahr aufgetaucht und haben einen Sonderstatus. Derzeit wird diskutiert, ob sie neben ihren Grundbedürfnissen mehr Geld verdienen dürfen als andere.

Die Regierung und acht Bundesländer planen, die Zuverdienste für aus der Ukraine ausgewiesene Personen von 110 Euro zuzüglich maximal 80 Euro pro Familienmitglied auf die Geringfügigkeitsgrenze von 485 Euro anzuheben. Kärnten lehnt dies aber ab, da die Erhöhung für alle anderen Asylsuchenden gelten müsste, so Kärnten. Konkret wollte sich Karner im ORF-Interview nicht dazu äußern. „Ich denke, Kärnten denkt am meisten darüber nach“, sagt er.

Die Gewerkschaft der Polizei fordert weniger Verwaltungsaufwand

Bei einem anderen Thema wird Karner im Interview jedoch konkret. Wie berichtet, hat der Europäische Gerichtshof längere Grenzkontrollen an den EU-Binnengrenzen für rechtswidrig erklärt. Ausgangspunkt ist eine Beschwerde eines Einwohners Vorarlbergs beim Landesverwaltungsgericht Steiermark. Trotz dieser Entscheidung werden noch Kontrollen durchgeführt. Karner verwies auf eine Entscheidung der europäischen Innenminister nach dieser Entscheidung. „Der neue Schengener Kodex ermöglicht die Durchführung von Binnengrenzkontrollen, etwa von Deutschland nach Österreich und von Österreich nach Ungarn oder Slowenien. Das ist aus Sicherheitsgründen notwendig“, betont Karner.

Bei seinem Besuch in Vorarlberg drehte sich die Diskussion vor allem um die neue Polizei. Wie berichtet, ist auch die Vorarlberger Polizei mit Personalengpässen konfrontiert. Deshalb fordert die Gewerkschaft der Polizei, die Polizisten von der Verwaltungsarbeit freizustellen. Darauf wollte Innenminister Karner im Interview nicht näher eingehen. Er sagt: „Das Landespolizeipräsidium hat gemeinsam mit dem Land Vorarlberg Prioritäten gesetzt, damit die Polizistinnen und Polizisten möglichst wenig Administration haben.“ Karner hingegen baut auf eine attraktive Ausbildung – wie etwa ein modernes Ausbildungszentrum in Koblach.

Am Nachmittag kam Karner jedoch auf das Thema zurück. Nach seinen Angaben sprach er zwei Stunden lang mit Vertretern der Polizei. Und dann sprechen sie über die Verwaltungsarbeit der Polizisten.