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Niederösterreichs Social-Media-Kampagne „schwankt“ – noe.ORF.at

Die anstehende Landtagswahl ist nicht nur auf den derzeit mit Wahlplakaten übersäten Straßen zu sehen. Auch im Internet ist es nicht zu übersehen. Facebook, Instagram, Twitter oder TikTok spielen im Wahlkampf durchaus eine Rolle, auch in Niederösterreich.

Der Politologe Peter Filzmeier sagt, Social Media werde viel stärker von jüngeren Menschen und im urbanen Umfeld genutzt. „Den Wahlkampf in Niederösterreich werde ich also nicht mit Social Media in der Buckligen Welt gewinnen. In einigen Gemeinden im Wiener Gürtel werde ich damit sicher punkten können“, sagt Filtzmeier.

Der Hauptvorteil von Social Media ist, dass es schneller ist. „Man kann von Tag zu Tag, von Stunde zu Stunde reagieren“, sagt Filterzmeier. Zudem sei die Präsenz in sozialen Netzwerken günstiger als Wahlplakate und man könne bestimmte Zielgruppen besser ansprechen, betont der Politikwissenschaftler.

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Starker Fokus auf Facebook, TikTok spielt kaum eine Rolle

Markus Zimmer ist Social Media Marktforscher und Geschäftsführer der Agentur BuzzValue. Unter anderem analysiert er Wahlkämpfe in sozialen Medien. Niederösterreich sei laut Zimmer generell recht schwankend. „Auffallend sind die Unterschiede zu anderen Wahlkämpfen der vergangenen Monate, etwa der starke Fokus auf Facebook. Auch TikTok, das als Kanal immer wichtiger wird, wird kaum genutzt. Im Vergleich dazu hat TikTok beispielsweise bei der Bundespräsidentenwahl eine große Rolle gespielt“, analysierte der Experte.

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Niederösterreich heute, 16. Jänner 2023

Auffallend sei auch die starke Zurückhaltung von Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner (ÖVP) in den sozialen Medien, so Zimmer. Anscheinend beschäftigst du dich gerade sehr wenig mit neuen Medien. „Letztes Jahr hat der Gouverneur des Bundesstaates auch versucht, einen TikTok-Account zu erstellen, aber seit November wurde nichts mehr gepostet, sodass die Medien völlig ignoriert wurden“, sagt Zimmer.

Die FPÖ liegt im Wahlkampf in den sozialen Medien vorne

Ein laufender Score mit Daten vom 1. Dezember bis 15. Januar zeigt, wie stark Top-Kandidaten in den sozialen Medien vertreten sind und wie viel Follower-Interaktion es gibt. Bei den Interaktionen liegt Udo Landbauer von der FPÖ klar auf Platz eins, weit hinter Franz Schnabl von der SPÖ, und nur auf Platz drei die ÖVP-Spitzenkandidatin Johanna Mikl-Leitner, die zwar die meisten Follower hat, aber relativ wenig Menschen dazu motivieren kann auf ihre Nachrichten antworten.

ORF-FPÖ-Spitzenkandidat Udo Landbauer generiert mit seinen Social-Media-Auftritten mit Abstand die meisten Interaktionen

„Wir wissen, dass die FPÖ-Anhänger viel aktiver sind. Sie mögen mehr, teilen mehr, kommentieren mehr. Der Algorithmus erkennt das und spielt immer mehr Botschaften aus, sodass auch das Interaktionsvolumen zunimmt“, erklärt der Marktforscher.

Die FPÖ sieht sich laut Peter Filtzmeier durch die klassischen Medien geschädigt, „deshalb versucht sie seit Jahren sozusagen eine Gegenöffentlichkeit aufzubauen. Sie verwenden es in Wahlkämpfen. Grüne und NEOS gewinnen, weil sie jüngere Zielgruppen haben. „Die ÖVP hingegen wird eher von der ‚Generation 50 oder 60 plus‘ gewählt“, sagt der Experte.

Social-Media-Tonfall „schärfer und schärfer“

Ein Blick auf die Werbeausgaben von Facebook und Instagram seit Anfang Dezember zeigt, dass die FPÖ mit über 46.000 Euro bisher am meisten für Social-Media-Werbung ausgegeben hat. ÖVP und NEOS stehen diesen Plattformen bisher eher zurückhaltend gegenüber.

Apropos zurückhaltend: Experten sagen, das gelte nicht immer für den Tonfall bei Facebook und Co. „Soziale Medien sind kürzer in ihrer Kommunikation und auch viel schärfer und schärfer. Das können Sie sich leisten, denn anders als bei einem Poster müssen Sie nicht damit rechnen, dass es jeder sieht. Es besteht also keine Gefahr, den einen zu begeistern und den anderen zu verängstigen“, sagt Filtzmeier.

Auch bei den Social-Media-Spendings hat die ORF FPÖ die Nase vorn

Nicht jedes Like ist eine Stimme

Zimmer weist darauf hin, dass Social-Media-Themen ganz klassische Wahlkampfthemen seien. „Die FPÖ setzt stark auf die Asylthematik. Dies sind die Posts, die die meisten Interaktionen von Followern haben. Alles ist sehr stark gegen den Landeshauptmann“, beschreibt Zimmer die Ergebnisse seiner Analysen. Und er fügt hinzu, die Tonalität sei sehr offensiv, der Ton rauer.

Klar ist jedenfalls: Nicht jeder Like oder Kommentar ist gleichbedeutend mit einer Stimme, denn wenn es nur auf den Wahlkampf in den sozialen Medien ankommt, muss die FPÖ ganz klar gewinnen. „Nur weil meine Follower jetzt kommentieren und meine Inhalte liken, heißt das nicht, dass ich am Wahltag mehr Stimmen bekommen werde als andere Parteien“, sagte Zimmer.