Germany

Corona-Indiskretionen: Alain Berse muss sich im Bundesrat erklären

1/7

Nächste Woche dürfte Bundesrat Alain Berset schwer werden.

In der Affäre um den Kronenverlust im Innendepartement (EDI) von Alain Berset (50, SP) meldeten sich auch andere Bundesräte zu Wort. Ihre Ausführungen zeigen, dass die Berichte aus der «Schweiz am Wochenende» noch nicht im Gesamtbundesrat diskutiert wurden. Aber: Es besteht dringender Gesprächsbedarf. Aussenminister Ignazio Cassis (61, FDP) sagte im Radio SRF: «Ich bin überzeugt, dass das im Bundesrat diskutiert wird.»

Die Zeitung berichtete am vergangenen Samstag, dass Bersets ehemaliger Kommunikationschef Peter Launer (52) laufend vertrauliche Informationen über die geplanten Massnahmen des Bundesrates gegen Covid an den CEO des Ringier Verlags, Mark Walder (57), übermittelt habe. Gemäss Anklageschrift von Sonderermittler Peter Marty sollte mit den Informationen an den Ringier-Verlag, der auch Blick und SonntagsBlick herausgibt, Druck auf Bersets Regierungskollegen ausgeübt werden.

Eine harte Woche für Berset

Die nächste Woche sollte also für Präsident Berseth schwierig werden. Er wird sich unbequemen Fragen seiner Regierungskollegen stellen müssen: War er am Lauener-Leck beteiligt? Weist er seine Mitarbeiter sogar an, Informationen über Corona-Maßnahmen zu verbreiten? Oder – was unwahrscheinlich erscheint – wusste er von all dem nichts?

Berset selbst sagte: Angesichts eines laufenden Verfahrens, das sich nicht gegen ihn richtet, könne er dazu öffentlich nichts sagen. «Ich habe dies zur Kenntnis genommen und freue mich auf die Diskussion, die dann zwischen uns stattfinden wird», kommentierte Cassis die Aussage seines Bundesratskollegen.

Konsultationen im Bürgerlichen Gesetzbuch

Auch in der Betriebsprüfungskommission (GPK-N) des Nationalrats wird Anfang nächster Woche die Corona-Leichtigkeit ein Thema sein. Es ist davon auszugehen, dass auch Berset dort oben stehen muss. Und die GPK des Staatsrates werde den Gesundheitsminister voraussichtlich zu einer Anhörung einladen, sagte Vizepräsident Werner Salzmann (60, SVP) am vergangenen Wochenende.

Es sei legitim, die Fragen von Parlamentariern zu beantworten – auch wenn er keinen Zugang zu den Akten habe, so Berset. “Business Review Boards sind der richtige Ort”, signalisierte er am WEF in Davos, dass er bereit sei, dort Fragen zu beantworten.

Korrespondenz per Mail mit Ringier Press

Bisher gab es nur vereinzelte Rücktrittsforderungen des derzeitigen Präsidenten. Allerdings hat Zürichs Nationalrat, Senior Vice President Alfred Heer (61), auf mehreren öffentlichen Kanälen den Abgang von Berset gefordert. Weil das Parlament aber erst bei der Bestätigungswahl des Bundesrates die Macht hat, Berset abzusetzen, sagt er weiter, wenn er nicht zurücktrete, müsse der Fall untersucht werden.

Heer kündigte an, einen Antrag auf E-Mail-Verkehr zwischen Peter Lauener und der gesamten Ringier-Presse zu stellen, möglicherweise auch E-Mails von Berset. Heers GPK-Kollegin Katarina Prelich-Huber (63, Grüne) sagte gegenüber SRF, alles sehe «eher nach Wahlkampf» aus.

“Ich muss genau hinsehen”

Wie viele Bewerbungen für das GPK-Treffen bereits eingegangen sind, ist unklar. Auf Blick-Anfrage sagte Präsidentin Prisca Birer-Heimo (63, SP) nur: «Es liegen Anträge auf dem Tisch, die wir bearbeiten werden.» Auch andere GPK-Mitglieder lassen ihre Karten nicht einsehen. Die meisten sagen nur, dass es wichtig ist, dieses Thema sehr genau zu betrachten.

„Jetzt müssen alle Fakten auf den Tisch. Die Vorwürfe sind schwerwiegend und die Öffentlichkeit muss wissen, ob versucht wurde, Regierungsentscheidungen systematisch zu beeinflussen“, sagt Corinna Gredig (35, GLP). In diesem Sinne sollte sich das CPC intensiv mit diesem Thema auseinandersetzen und eine Interpretation vornehmen. “Erst dann kann ich entscheiden, ob ich mich bewerbe.”

Einen ähnlichen Ansatz will GPK-Mitglied Erich Hess (41) verfolgen. Doch der SVP-Nationalrat sagt: «Wenn die GPK sieht, dass irgendwo in der Bundesverwaltung etwas schief gelaufen ist, müssen wir genau hinschauen. Und ob ein Gerichtsverfahren läuft oder nicht.”